OPEC-Vertreter erwarten selbst bei einem Irak-Krieg keine Lieferengpässe: Ölversorgung ist nicht gefährdet

OPEC-Vertreter erwarten selbst bei einem Irak-Krieg keine Lieferengpässe
Ölversorgung ist nicht gefährdet

Die weltweite Ölversorgung steht im Falle eines militärischen Konflikts im Irak nicht auf dem Spiel. Das versicherten einflussreiche Vertreter der erdölproduzierenden Länder einhellig auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Nach Meinung des Chefs des italienischen Ölkonzerns Eni, Roberto Poli, bedeute ein Irak-Krieg weniger eine militärische Gefahr, sondern vielmehr ein psychologischer Dämpfer für die Weltölmärkte. Diese sähen neue Risiken für die Versorgungssicherheit der Industrieländer auf sich zukommen.

DAVOS. Zu Befürchtungen dieser Art besteht nach Einschätzung der Ölproduzenten jedoch kein Anlass. "Ich kann versichern, dass es derzeit keinen Engpass bei den Lieferungen gibt, und dass sich keiner unserer Kunden auch künftig deswegen Sorgen machen muss , sagte der saudische Ölminister Ali bin Ibrahim Al-Naimi. Saudi-Arabien produziert derzeit 7,7 Mill. Barrel am Tag. Die Produktion könne sehr kurzfristig auf bis zu 10,5 Mill. Barrel gesteigert werden. "Es gibt in der Produktion keinen Flaschenhals", unterstrich Al-Naimi. "Anstatt sich darüber Sorgen zu machen, sollten die Verbraucherländer sich mehr Gedanken über die Sicherheit der Ölreserven in der Golfregion machen.

Auch die Vertreter Katars und Russlands versuchten dem Motto der Konferenz "Vertrauen schaffen" alle Ehre zu machen, indem sie sich demonstrativ gelassen gaben: Die Opec-Mitglieder und Russland würden alles tun, um für Stabilität zu sorgen. Es seien ausreichend Ölreserven vorhanden, sowohl am Golf als auch in den Verbraucherländern. Die Produzenten könnten so problemlos für eventuell zeitweise ausfallende Produzenten wie Irak und Kuwait einspringen. Dies sei bei der aktuellen Venezuela-Krise bereits gelungen.

Opec-Vertreter Abdulla bin Hamad Al-Attiyah betonte, er verstehe nicht, warum jetzt angesichts des eskalierenden Irak-Konflikts "alle Welt nur noch von der Liefersicherheit spricht". Es habe in der Vergangenheit sehr oft Spannungen im Nahen und Mittleren Osten gegeben, und nie sei es zu nennenswerten Produktions- und Lieferausfällen gekommen. Man müsse sich allerdings vor Augen halten, dass sich nach wie vor etwa zwei Drittel der Ölreserven in der Golfregion befänden, so Al-Attiyah.

Dieser Verantwortung seien sich die Produzentenländer bewusst. Die Opec werde auch diesmal dafür sorgen, dass sich über zeitweilige Produktionserhöhungen der Markt stabilisiere. Al-Attiyah: "Wir sollten endlich pragmatisch darüber reden, wie wir solche Krisen in Zukunft besser gemeinsam managen." Michail Kodorkowski, Chef des russischen Ölkonzerns Yukos, wies darauf hin, dass Russland nicht in der Lage sei, kurzfristig größere Mengen Rohöl zu exportieren, um Engpässe am Golf zu lindern. Russland produziere täglich etwa 7,5 Mill. Barrel, exportiere aber nur 5 Mill. Barrel. Erst in einigen Jahren sei eine Exportsteigerung auf etwa 7 Mill. Barrel möglich.

Kodorkowski wörtlich: "Bei der Stabilisierung der Ölmärkte müssen auf jeden Fall die Golf-Länder die Führungsrolle übernehmen." Auch der Preis für Rohöl werde mittelfristig wieder fallen, bekräftigten Araber und Russen. Im Moment, so meinte Eni-Chef Poli, habe der Ölpreis mit mehr als 32 $ pro Barrel eine Kriegsprämie von 6 bis 7 $. Mittelfristig, so alle vier Experten, werde der spekulativ hoch getriebene Ölpreis wieder sinken. Russland hält nach Angaben von Yukos-Chairman Kodorkowski einen Preis zwischen 18 und 22 $ für angemessen, während die Golfstaaten ein Einpendeln auf 22 bis 28 $ anstreben.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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