Operation „Sommerregen“
Israel verschärft Gaza-Offensive

Auf der Suche nach einem verschleppten Kameraden sind am Mittwoch tausende israelische Soldaten in den Gazastreifen eingedrungen. Die Bodenoffensive wurde von Luftangriffen auf Brücken, ein Kraftwerk und mutmaßliche Ausbildungslager der Hamas begleitet. Angesichts der Militäroperation bot die Hamas-geführte palästinensische Regierung einen Gefangenenaustausch an.

HB BEIT HANUN/GAZASTREIFEN. Die israelischen Streitkräfte haben am Mittwochabend ihre Offensive im Norden des Gazastreifens verschärft. Panzer feuerten auf Ziele in der Umgebung des Grenzstadt Beit Hanun, wie die Behörden mitteilten. Über dem Gebiet kreisten Hubschrauber. Mehrere Dutzend bewaffnete Palästinenser bezogen in Erwartung einer Bodenoffensive hinter Mauern und Sandwällen Stellung. Aus israelischen Verteidigungskreisen verlautete, die Bewohner von Beit Hanun und dem nahe gelegenen Beit Lahia sollten aufgefordert werden, ihre Häuser zu verlassen. Ein Einsatz von Bodentruppen sei jedoch zunächst nicht geplant.

Die palästinensischen Al-Aksa-Märtyrerbrigaden haben nach eigenen Angaben zufolge inzwischen einen weiteren Israeli entführt. Bei der Geisel handele es sich um einen 62 Jahre alten Mann aus der Stadt Rischon Lesion, der am Montag verschleppt worden sei, hieß es in einer Erklärung der militanten Organisation, die am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP zuging. Die Mitteilung war von Abu Fuad unterzeichnet, dem Sprecher der Märtyrerbrigaden in Gaza. Die Gruppe steht der Fatah-Organisation von Präsident Mahmud Abbas nahe. Die israelische Polizei erklärte, es läge eine Vermisstenmeldung für einen am Montag verschwundenen 62-Jährigen vor.

Israel hat außerdem am Mittwoch Kampfflugzeuge über einen Palast des syrischen Präsidenten fliegen lassen, um diesen vor einer Unterstützung palästinensischer Extremisten in der Geiselkrise zu warnen. Einem israelischen Fernsehbericht zufolge durchbrachen vier Kampfjets bei ihrem Flug über das Gebäude von Baschar al-Assad nahe der Stadt Latakia mehrfach die Schallmauer. Eine israelische Militärsprecherin begründete die Aktion damit, dass die syrische Führung terroristischen Anführern wie etwa der Hamas Unterschlupf gewähre.

Ein syrischer Regierungsvertreter bestätigte, dass zwei israelische Flugzeuge in den Luftraum eingedrungen seien und sprach von einem „provokativen Vorfall“. Die syrische Armee habe sie aber gezwungen, das Gebiet zu verlassen.

Der bewaffnete Arm der Hamas war am Wochenende an dem Überfall auf einen Militärposten in Israel beteiligt, bei dem zwei israelische Soldaten getötet wurden. Führende israelische Politiker machen die Hamas, dessen Anführer Chaled Meschaal seine Basis in der syrischen Hauptstadt Damaskus hat, zudem für die Entführung eines israelischen Soldaten beim selben Vorfall verantwortlich.

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas verurteilte die Angriffe als „Kollektivstrafe und als Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Ministerpräsident Ehud Olmert erklärte, zur Befreiung des 19-jährigen Gilad Schalit werde seine Regierung auch vor „extremen Aktionen“ nicht zurückschrecken. „Wir haben nicht vor, Gaza wieder zu besetzen. Wir haben ein Ziel, und das ist, Gilad heimzubringen.“ Der Militäreinsatz ist die erste Bodenoffensive im Gazastreifen, seit nach der Aufgabe der jüdischen Siedlungen in dem Autonomiegebiet im September die letzten israelischen Truppen abzogen.

Das palästinensische Informationsministerium erklärte, ein Gefangenenaustausch sei ein logischer Schritt, den die israelische Regierung in der Vergangenheit schon mehrfach mit der Hisbollah und der PLO vollzogen habe. Militärischer Druck werde nicht zur Freilassung des Soldaten führen. Olmert hat einen möglichen Gefangenenaustausch abgelehnt.

Der israelische Justizminister Haim Ramon äußerte die Überzeugung, dass die politische Führung der Hamas in Syrien die Geiselnahme angeordnet habe. Israel habe deshalb Hamas-Chef Chaled Maschaal im Visier, sagte Ramon im israelischen Militärrundfunk. Maschaals Stellvertreter Mussa Abu Marsuk sagte in Damaskus, mit seiner Militäroffensive gefährde Israel das Leben des Entführten.

Die USA riefen Israel zur Zurückhaltung auf. Das Leben unschuldiger Zivilpersonen dürfe nicht gefährdet werden, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow. Auch die „unnötige Zerstörung von Eigentum und Infrastruktur“ solle vermieden werden. Zugleich rief Snow die palästinensische Hamas-Regierung auf, die Gewalt zu stoppen.

Das militante palästinensische Volkswiderstandskomitee (PRC) drohte unterdessen mit der Ermordung eines entführten Siedlers. Eliahu Pintschas Ascheri werde „vor Fernsehkameras abgeschlachtet“, falls die israelische Militäraktion nicht eingestellt werde, kündigte ein PRC-Sprecher im Sender Al Dschasira an.

Stromausfall in weiten Teilen des Autonomiegebiets

Die palästinensischen Al-Aksa-Märtyrerbrigaden entführten nach eigenen Angaben einen dritten Israeli. Bei der Geisel handele es sich um einen 62 Jahre alten Mann aus der Stadt Rischon Lesion, der am Montag verschleppt worden sei, hieß es in einer Erklärung der militanten Organisation.

Die israelische Luftwaffe feuerte Raketen auf den Norden und Süden des Gazastreifens, wo die Geschosse auf unbewohntes Gebiet fielen. Auf diese Weise wolle man die militanten Palästinenser einschüchtern, erklärten die Streitkräfte. Israelische Soldaten nahmen unterstützt von Panzern den seit langem geschlossenen Flughafen von Gaza ein. Wegen des Luftangriffs auf das einzige Elektrizitätswerk im Gazastreifen fiel in weiten Teilen des Autonomiegebiets der Strom aus. Israelische Kampfjets bombardierten drei Brücken, die den nördlichen Teil des Gazastreifens mit dem Süden verbinden. Nach israelischen Militärangaben sollte verhindert werden, dass die Entführer ihre Geisel an einen anderen Ort bringen.

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