Opposition lehnt Gespräche mit dem Präsidenten ab
Gewalt überschattet Aufbruch im Libanon

Nach einem Anschlag in Beirut verschärft sich die Krise im Libanon. Die Angst vor Gewalttaten wächst. Die politischen Fronten verhärten sich weiter. Bei der Explosion einer Autobombe waren in der Nacht zum Sonnabend elf Menschen im christlichen Viertel Beiruts verletzt worden. Es war der erste größere Gewaltakt seit der Ermordung des früheren Premiers Rafik Hariri am 14. Februar, die Massendemonstrationen sowohl der Opposition als auch der pro-syrischen Gruppen auslösten.

HB KAIRO. Die Angst vor einem Wiederaufleben der konfessionellen Konfrontation steigt. Der pro-syrische Präsident Emile Lahoud rief die Opposition am Wochenende zum Dialog auf und sagte gleichzeitig seine Teilnahme am Gipfel der Arabischen Liga in Algiers diese Woche ab. Doch der führende Sprecher der Opposition, der Drusenführer Walid Dschumblatt lehnte einen Dialog ab, solange Lahoud im Amt ist. Gleichzeitig warnte er davor, dass es weitere politische Morde geben werde, wenn Lahoud und die Chefs der syrischen Geheimdienste nicht abgesetzt würden. Auch der UnoSondergesandte Terje Roed-Larsen zeigte sich in einem am Sonntag veröffentlichen Interview „ernsthaft besorgt“ darüber, dass eine weitere führende politische Persönlichkeit ermordet werden könnte.

Die Opposition in Libanon hatte mit Massendemonstrationen eine ihrer Hauptforderungen, den Abzug der syrischen Truppen und Geheimdienstvertreter, durchsetzen können. Bis zu den im Mai geplanten Parlamentswahlen sollen voraussichtlich die meisten Truppen aus der Bekaa-Ebene auf die syrische Seite der Grenze abziehen. Doch nachdem die pro-syrischen Gruppen, die von Schiiten getragene Hisbollah und Amal, ihre politische Stärke mit Massendemonstrationen bewiesen, wurde der zurückgetretene pro-syrische Regierungschef Omar Karami wieder eingesetzt.

Während einige Mitglieder der christlichen, drusischen und sunnitischen Opposition durchblicken ließen, dass sie sich an der Regierung beteiligen würden, falls ein anderer Premier als Karami eingesetzt würde, bleiben Dschumblatt und andere Teile der Opposition hart. Den Aufruf Lahouds an die Opposition, „zum Schutze Libanons“ den Dialog aufzunehmen, lehnten sie am Sonntag ab. Auch der im französischen Exil lebende Michel Aoun, der 1990 eine anti-syrische Kampagne anführte, sprach sich gegen einen Dialog aus. Er kündigte jedoch seine Rückkehr nach Libanon an. Auf die Forderung des maronitischen Patriarchen Sfeir, Hisbollah zu entwaffnen, reagierte Hibollah-Führer Nasrallah scharf.

Damit dauert das politische Vakuum in Libanon an, während die syrischen Truppen abziehen und der syrische Geheimdienst sein Hauptquartier im Hotel Beau Rivage in Beirut räumte. Drusenführer Dschumblatt, der auf einer Europa-Tournee die Position der Opposition vortrug, hat sich in seine Residenz in den Schuf-Bergen zurückgezogen und meidet aus Angst vor Anschlägen Beirut. Dschumblatt hatte bereits nach der Ermordung Hariris erklärt, dass er und der ehemalige Ministerpräsident Morddrohungen erhalten hätten. Dschumblatts Vater Kamel war vor 28 Jahren ermordet worden.

Aber alle Gruppen scheinen sich der Gefahr bewusst zu sein, die eine weitere Vertiefung der Gräben bedeutet. So kann der Besuch von etwa 3 000 Hisbollah-Anhängern am Montag am Grab des ermordeten Hariri als eine versöhnliche Geste verstanden werden. Erstmals erwiesen Hisbollah-Anhänger dem Toten damit ihre Reverenz.

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