Opposition reagiert empört auf neue Äußerungen
Berlusconi sorgt wieder für Aufregung

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat den faschistischen Diktator Benito Mussolini (1883-1945) in Schutz genommen und damit Empörung bei der Opposition ausgelöst.

HB ROM. „Mussolini hat niemanden getötet, er hat die Menschen in Zwangsurlaub geschickt“, sagte Berlusconi in einem am Donnerstag veröffentlichten zweiten Teil eines Interviews zweier britischer Journalisten. Darunter war auch der Chefredakteur des Magazins „The Spectator“. In einem bereits vor einer Woche veröffentlichten ersten Teil des Interviews hatte er die italienischen Richter als „geistesgestört“ beschimpft. Dafür wurde er ebenfalls heftig kritisiert.

Die Äußerung über Mussolini, der im Zweiten Weltkrieg mit Nazi- Deutschland verbündet war, machte Berlusconi, nachdem er nach einem Vergleich zwischen dem Faschistenführer und dem gestürzten irakischen Diktator Saddam Hussein befragt worden war. Der italienische Faschismus sei „weitaus gutartiger“ gewesen als das Regime Saddam Husseins, sagte Berlusconi.

Die Mitte-Links-Opposition reagierte empört auf Berlusconis Äußerungen. „Mussolini war ein Mörder, und Berlusconi ist es nicht würdig, eine Demokratie zu vertreten, die aus dem Kampf gegen den Faschismus entstanden ist“, sagten die parlamentarischen Fraktionschefs der Oppositionsparteien in einer gemeinsamen Erklärung. Berlusconis Äußerungen seien faktisch eine „Rechtfertigung des Faschismus“, sagte Fabio Mussi, ein führender Abgeordneter der oppositionellen Linksdemokraten.

Berlusconi wies die Vorwürfe am Donnerstag entschieden zurück. „Ich habe nie die Absicht gehabt, Mussolini aufzuwerten“, sagte er vor Journalisten. Er habe nur als „Patriot“ reagiert, weil er einen Vergleich zwischen Mussolini und Saddam Hussein nicht habe hinnehmen können, fügte er hinzu. Der Opposition warf er vor, die gegenüber dem „Spectator“ gemachten Äußerungen zu instrumentalisieren.

Berlusconi führt seit Frühjahr 2001 eine Mitte-Rechts-Regierung, an der auch die ex-neofaschistische Nationalen Allianz (AN) beteiligt ist. Vor allem AN-Politiker verteidigten Berlusconi gegen die Kritik der Opposition. „Selbst der Papst hatte Mussolini als Mann der Vorsehung bezeichnet“, sagte Mirko Tremaglia, der als Minister für die Auslandsitaliener der Regierung angehört.

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