Opposition: Regierung untergräbt den Sparwillen der Bürger
Konservative sehen Altersversorgung der Briten bedroht

Großbritanniens Altersvorsorge schlittert in eine Krise. Diese drohe so schlimm zu werden, „wie Terrorismus oder Klimaerwärmung“, warnte der Rentenexperte der Konservativen, David Willetts.

mth LONDON. Angesichts sinkender privater Vorsorgebereitschaft stehe das Land vor langfristiger Massenarmut, so Willetts. Sozialneid auf die mit immensen öffentlichen Mitteln ausreichend versorgten Angestellten des öffentlichen Dienstes könne zudem zu gesellschaftlichen Spannungen führen. „Vieles, was wir lieben, ist in Gefahr“, sagte der Tory-Politiker, der die Briten bereits vor zwei Jahren mit einem Pamphlet vor Selbstzufriedenheit bei der Altersvorsorge gewarnt hatte.

Nun warf er Labour-Schatzkanzler Gordon Brown schwere Versäumnisse vor. Die Besteuerung der zuvor steuerfreien Altersvorsorgefonds, die Rentensparern Milliarden Pfund kostet, bezeichnete Willetts als „das größte Desaster von Browns Kanzlerschaft“. Die Zeiten, in denen sich Briten dank gut gepolsterter Vorsorgefonds besser für die Zukunft gewappnet fühlen durften als viele andere Europäer mit ihrer auf dem Generationenvertrag aufbauenden Altersvorsorge, sind vorbei. Schuld sind immer noch nicht ausgeräumte Defizite der Betriebsrentenkassen sowie die Schließung garantierter Rentensparverträge und ihr Ersatz durch Kapitalsparverträge mit ungewissem Ertrag.

Am schwerwiegendsten ist laut Willetts aber, dass Labour die staatliche Grundrente, deren Wert sinkt, immer mehr durch Sozialhilfe ergänzt, für die ein Bedürftigkeitsnachweis erbracht werden muss. Da Spareinlagen dabei angerechnet werden, schwindet der Sparwille bei den Briten. „Über 50 Prozent der Rentner müssen heute bereits Bedürfnisnachweise erbringen. Das hindert unser Volk am Sparen“, warnte Willetts. Großbritannien liegt mit einer Sparquote von 6,1 Prozent des Haushaltseinkommens (Deutschland: 10,8) weit zurück, obwohl die minimale staatliche Altersvorsorge sehr viel größere Eigenanstrengungen voraussetzen würde.

Zum schlechten Vorsorgesparen trägt aber auch das immer schlechtere Preis-Leistungsverhältnis von Leibrenten bei. Deshalb soll die Regierung die wachsenden Risiken der Lebensversicherer durch die steigende Lebenserwartung mittragen, forderte Willetts. Er schlägt neue „Langlebigkeits-Bonds“ vor, deren Rendite, ähnlich wie bei inflationsgebundenen Staatsobligationen, an die offizielle Lebenserwartungsprognose gebunden ist. Mit einer solchen Rückendeckung müssten Versicherer weniger Rücklagen bilden und könnten Leibrenten rund zehn Prozent billiger machen, glaubt der Tory-Politiker. Er forderte die Labourregierung zudem erneut auf, die für Sparer wenig attraktive Vorschrift abzuschaffen, wonach Vorsorgefonds im Rentenalter zu 75 Prozent in Leibrenten umgewandelt werden müssen.

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