Opposition wirft Irans Präsident Betrug vor
Ahmadinedschad ignoriert Protest

Der Wahlsieg des Hardliners Mahmud Ahmadinedschad bei der Präsidentschaftswahl im Iran hat den Golf-Staat in eine Staatskrise gestürzt. Mit massivem Polizeieinsatz und Medienzensur unterdrückte die Regierung Proteste von Anhängern des unterlegenen Kandidaten Mir-Hossein Mussawi. Iranische Geschäftsleute warnten nach den Ausschreitungen vor einem Bürgerkrieg.

TEHERAN/DÜSSELDORF. Einen Rückschlag bedeutet der Sieg Ahmadinedschads für US-Präsident Barack Obama. Dessen Bemühungen, den Friedensprozess im Nahen Osten wiederzubeleben, werden durch die Rolle Ahmadinedschads in der Region gefährdet. Israels Außenministerium wertete die Wiederwahl des Holocaust-Leugners Ahmadinedschad als Beleg für die Gefahr, die von Iran und seinem Atomprogramm ausgehe.

Irans Präsident hatte die Wahl am Freitag laut Innenministerium mit fast 63 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang für sich entschieden. Sein Herausforderer Mussawi kam demnach nur auf knapp 34 Prozent. Beobachter hatten zuvor mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen gerechnet. Mussawi warf Ahmadinedschad Manipulation vor und forderte beim für die Organisation des Urnengangs zuständigen Wächterrat die Annullierung der Wahl. Seine Anhänger forderte er auf seiner Internetseite auf, im ganzen Land friedlich gegen Ahmadinedschads Wiederwahl zu protestieren.

Schon am Wahlabend hatten Anhänger von Ex-Ministerpräsident Mussawi in Teheran gegen "Wahlbetrug" und für eine Wiederholung des Urnengangs protestiert. Bei den schwersten Krawallen im Iran seit Jahren wurden am Wochenende mehrere Menschen verletzt. Die Polizei nahm mehr als 170 Oppositionelle fest. Ausländische Medien wurden massiv an der Berichterstattung gehindert. Zuvor hatten die Behörden zudem bereits die SMS- und Handy-Kommunikation blockiert, um die Opposition zu behindern.

Ahmadinedschad ließ sich in Teheran von Zehntausenden Anhängern feiern. Die Rekordwahlbeteiligung von 85 Prozent sei ein Schlag gegen "das unterdrückerische System, das die Welt regiert", sagte Ahmadinedschad mit Blick auf die USA. Das Wahlergebnis nannte er "real und fair". Die Ausschreitungen verglich er mit den Emotionen nach einem verlorenen Fußballspiel.

Die US-Regierung kommentierte den Wahlausgang verhalten. Außenministerin Hillary Clinton sagte, die USA hofften, dass "das Ergebnis den wahren Willen und den Wunsch des iranischen Volkes widerspiegelt". Vizepräsident Joseph Biden sagte, es gebe "schrecklich viele Zweifel" am Wahlergebnis. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu wollte sich gestern Abend in einer Grundsatzrede zur Nahostpolitik auch zum Iran äußern.

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