Oppositionelle riefen: "Schande!, Schande!
Ukrainischer Regierungschef zum Wahlsieger erklärt

Die ukrainische Wahlkommission hat trotz Massenprotesten und heftiger internationaler Kritik den russlandtreuen Regierungschef Viktor Janukowitsch am Mittwoch zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt.

HB KIEW. Der Chef der staatlichen Wahlkommission, Serhij Kiwalow, wandte sich am Abend in einer turbulenten Sitzung an die Kommissionsmitglieder und sagte, Janukowitsch habe 49,46 Prozent der Stimmen erhalten. Sein westlich-orientierter Widersacher, Oppositionsführer Viktor Juschtschenko, komme hingegen nur auf 46,61 Prozent. Janukowitschs Anhänger stimmten daraufhin Jubelgesänge an und riefen immer wieder triumphierend seinen Namen. Die Oppositionellen um Juschtschenko, die zuvor wiederholt versucht hatten, die Bekanntgabe zu stoppen, schrien „Schande! Schande!“. Die Opposition wirft der Regierung massiven Wahlbetrug vor. Seit Tagen kommt es deswegen im ganzen Land zu Massendemonstrationen und Protestaktionen.

Die Bekanntgabe des Endergebnisses der Wahl von Sonntag war mit Spannung erwartet worden. Die Anhänger beider Seiten hatten stundenlang dicht gedrängt in dem kleinen Raum gewartet. Juschtschenko war aus dem ersten Wahlgang Ende Oktober knapp als Sieger hervorgegangen und lag in Befragungen kurz nach der Stichwahl am Sonntag klar in Front.

Die Europäische Union (EU) hatte die Ukraine zuvor aufgerufen, das endgültige Ergebnis nicht vor einer gründlichen Prüfung bekannt zu geben. Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer schloss sich der Forderung nach einer Überprüfung der Wahl an und nannte sie absolut notwendig.

Janukowitsch erklärte vor der Bekanntgabe, das Resultat nur akzeptieren zu wollen, wenn seine Legitimität unzweifelhaft bewiesen sei. Er lehne einen Sieg ab, der zu Gewalt und Opfern führen könne. „Kein Amt, so wichtig es auch sein mag, ist auch nur ein einziges Menschenleben wert“, hieß es in seiner Stellungnahme. Sein Rivale Juschtschenko hatte zuvor vor zehntausenden seiner Anhänger in der Hauptstadt Kiew Neuwahlen vorgeschlagen. „Wir sind bereit, den zweiten Wahlgang zu wiederholen, vorausgesetzt, wir haben eine ehrliche Wahlkommission“, hatte der liberale Politiker erklärt.

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