Oppositionsführer in Moskau
Gysi mahnt: Ukraine-Grenzen „immer fraglicher“

Gregor Gysi reist zu Gesprächen nach Moskau. Der Oppositionsführer gilt als guter Russland-Kenner – seine kritische Bundestagsrede über den Konflikt ließ sogar manchen Gegner von Kremlchef Putin aufhorchen.
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Moskau/BerlinDen Kreml besucht Gregor Gysi nur als Tourist. An der Mauer des Amtssitzes von Präsident Wladimir Putin sieht er sich die Ehrengräber russischer und ausländischer Kommunisten an und gedenkt der Frauenrechtlerin Clara Zetkin, der Namensgeberin für den Fraktionssaal der Linken im Berliner Reichstagsgebäude. Für einen offiziellen Termin im Kreml reicht seine Funktion als deutscher Oppositionsführer nicht. Aber immerhin empfängt ihn der mit westlichen Sanktionen belegte Parlamentspräsident Sergej Naryschkin im Nussbaumsaal der 6. Etage der Staatsduma.

Der enge Vertraute von Kremlchef Wladimir Putin muss sich sichtlich zusammennehmen, als Gysi gleich zu Beginn den Anschluss der Schwarzmeerhalbinsel Krim an Russland als Annexion und völkerrechtswidrig verurteilt. Nervös massiert sich Naryschkin die Hände. Scharf entgegnet der Staatsduma-Chef dann, dass Russland immerhin auch die Wiedervereinigung Deutschlands unterstützt habe - „obwohl es in der DDR anders als auf der Krim kein Referendum gab, sondern nur einen Beschluss des sogenannten Parlaments“ in Ostberlin.

Referendum, das ist ein zentrales Thema des Treffens. Die international kritisierte Volksabstimmung über eine Selbstständigkeit der ostukrainischen Gebiete Donezk und Lugansk nennt Gysi - wohl im Sinne Moskaus - zwar nicht juristisch, aber politisch bedeutend. „Damit werden die Grenzen in der Ukraine immer fraglicher“, sagt er. Auch Gysi wirbt für Dialog, ist noch bis Dienstag in Moskau für weitere Gespräche, um zerstörtes Vertrauen zwischen Deutschen und Russen wieder herzustellen.

Der Politiker, der in der früheren DDR als Anwalt tätig war, gilt als Russland-Kenner und ist in Moskau gut vernetzt. Informationen bezieht er nicht nur über das 2003 eröffnete Regionalbüro der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

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  • Die Linken vertreten nicht ganz meine rechtsliberale Einstellung, aber Sarah Wagenknecht und Gregor Gysi mutieren zunehmend zu regelrechten Sympatieträgern. Ich fühle wie die Menschen in der Ostukraine. Auch ich habe viel mehr Sympathie für Putin und Russland, als für die EU.

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