Oppositionsführer Saakaschwili stellt Schewardnadse Ultimatum
Tausende Georgier setzen zum Sturm auf Präsidentensitz an

In Georgien haben Tausende aufgebrachter Menschen am Samstagmittag versucht, den Präsidentensitz zu stürmen. Die Gegner von Präsident Schewardnadse drängten Sondereinsatzkräfte der Polizei zurück. Die zündeten daraufhin Rauchgranaten.

HB BERLIN. Seit dem frühen Samstagmorgen haben Tausende Georgier vor dem Parlament in Tiflis demonstriert. Am Mittag drohen die Protestaktionen gegen Präsident Eduard Schewardnadse zu eskalieren. Demonstranten strömten auf den Präsidentensitz zu, ohne sich von der Polizei aufhalten zu lassen. Die Opposition hatte eine «samtene Revolution» zum Sturz von Präsident Schewardnadse angekündigt.

«Wir werden dieses Regime niedertrampeln», hatte Oppositionsführer Michail Saakaschwili am Freitagabend gesagt. «Schewardnadse ist am Ende.» Am Samstag stellte er in einer Ansprache vor den gut 30.000 Demonstranten Schewardnadse ein Ultimatum von 45 Minuten, um seine Niederlage einzräumen.

Nur 200 Meter entfernt versammelten sich derweil etwa 5000 Anhänger des Präsidenten und seines neuen Verbündeten, dem Führer der autonomen Region Adscharien, Aslan Abaschidse. Rund um das Parlament waren mehrere tausend Soldaten und Polizisten in Zivil postiert. Die umliegenden Straßen waren für den Verkehr gesperrt.

Schewardnadse rief das Parlament dazu auf, trotz der Proteste zu arbeiten. Die Abgeordneten seien gewählt und müssten nun mit der Arbeit beginnen, sagte er am Samstag im staatlichen Fernsehen. Für Samstagmittag hat der Präsident die neuen Volksvertreter einberufen, die erstmals seit der umstrittenen Parlamentswahl vor drei Wochen zusammenkommen sollen.

Erst am Donnerstag hatte die Wahlkommission Schewardnadses Regierungspartei zum Wahlsieger erklärt, gefolgt von der Partei seines Verbündetem Abaschidse. Zusammen kommen beide Parteien auf rund 40 Prozent der Stimmen. Die Opposition wirft der Regierung Wahlbetrug vor. Auch die EU-Kommission und die USA beanstandeten die Wahl. Die USA fordern eine unabhängige Untersuchung der Wahl.

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