Oppositionspartei vorn
Grönland wählt den Machtwechsel

Nach rund 30 Jahren steht die autonome dänische Region Grönland vor einem Regierungswechsel: Die linksgerichtete Inuit-Partei Ataqatigiit (IA) sicherte sich bei der Parlamentswahl 44 Prozent aller Stimmen – doppelt so viel wie bei der letzten Abstimmung.

HB KOPENHAGEN. Die bislang regierende sozialdemokratische Siumut-Partei kam nach einem Korruptionsskandal und einem innerparteilichen Machtkampf auf 26 Prozent, wie die Wahlkommission mitteilte. Die Abstimmung am Dienstag fand drei Wochen vor Inkrafttreten einer erweiterten Autonomie Grönlands von Dänemark statt.

Grönland habe das Wahlergebnis verdient, sagte Parteichef Kuupik Kleist vor begeisterten Anhängern in der Hauptstadt Nuuk. Die IA stellt nach Auszählung fast aller Stimmbezirke künftig 14 der 31 Abgeordneten im Parlament und ist für eine Mehrheit auf Koalitionspartner angewiesen.

Über mögliche Koalitionspartner äußerte sich Kuupik nicht, schloss ein Bündnis mit der Siumut von Ministerpräsident Hans Enoksen jedoch aus. Die bisherige Regierungspartei stellt mit ihrem liberalen Koalitionspartner Atassut künftig gemeinsam zwölf Abgeordnete.

Der Machtwechsel hatte sich bereits in Umfragen angedeutet. Mehrere Spitzenpolitiker der Siumut sind der Korruption schuldig befunden worden, auch ein innerparteilicher Machtkampf hat der Partei geschadet.

Die Wahlbeteiligung lag bei mehr als 70 Prozent. Wahlberechtigt waren rund 40 000 Bürger. Es war die letzte Wahl vor dem Inkrafttreten einer erweiterten Autonomie, die schließlich zur Unabhängigkeit der weltweit größten Insel von Kopenhagen führen könnte.

Bei einem Referendum Ende November votierten 76 Prozent der Grönländer für eine Ausweitung der Befugnisse der einheimischen Regierung. Diese übernimmt nun unter anderem die Zuständigkeit für die Polizei, das Justizwesen und den Küstenschutz. Außerdem wird Grönländisch, die Sprache der Inuit, als offizielle Landessprache anerkannt. Angenommen wurden auch Richtlinien für die Aufteilung der erhofften Einnahmen aus Ölvorkommen vor der Küste Grönlands. Darüber sollen noch in diesem Monat Verhandlungen mit Dänemark aufgenommen werden. Das Abkommen zur erweiterten Autonomie tritt am 21. Juni in Kraft. Die Regierung in Kopenhagen, die die grönländische Wirtschaft zu zwei Dritteln subventioniert, ist aber weiterhin zuständig für die Außen- und Verteidigungspolitik. Und die dänische Königin Margrethe bleibt das formelle Staatsoberhaupt Grönlands.

Die Insel ist etwa sechs Mal so groß wie Deutschland, rund 80 Prozent ihrer Fläche sind eisbedeckt. Mit dem Abschmelzen des Eises mehren sich die Hoffnungen auf die Entdeckung natürlicher Ressourcen.

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