Organisation will drei Millionen Patienten versorgen
WHO kümmert sich mehr um Aids-Kranke

Mit Hilfe einer neuen Kampagne will die Weltgesundheitsorganisation WHO bis Ende 2005 drei Millionen Aids-Kranke in 34 Entwicklungsländern mit modernen Medikamenten versorgen. Damit will die WHO drei Mal mehr Menschen erreichen als bislang möglich war.

HB GENF/NEW YORK. Für die Kampagne seien jährlich zusätzliche Mittel in Höhe von fünf Milliarden US-Dollar (4,4 Milliarden Euro) notwendig, sagte Charlie Gilks von der Aids-Abteilung der WHO am Montag in Genf. Er nannte die Finanzierungslücke unmoralisch und inakzeptabel.

„Wir haben die Medikamente, um Menschen für einen Dollar pro Tag oder weniger zu behandeln, aber sie kommen nicht bei den Bedürftigen an“, heißt es dazu in der Erklärung der WHO. Die Organisation will nach den Worten von Gilks auf der Uno-Vollversammlung am Montagabend in New York den Notstand bei der Versorgung mit den modernen Anti- Viren-Medikamenten erklären.

Etwa sechs Millionen HIV-Infizierte in Entwicklungsländern seien so krank, dass sie diese Medikamente dringend benötigten. Derzeit würden dort jedoch weniger als 300 000 behandelt - etwa einer von 20. Anhand der gesammelten Erfahrungen nach Ausbruch der Lungeninfektion Sars will die WHO jetzt auch Nothilfe-Teams in Länder mit den höchsten Zahlen HIV-Infizierter senden. Diese sollen mit den Regierungen nach Wegen suchen, wie die Verteilung der Medikamente beschleunigt werden kann. Von den 34 Ländern befinden sich nach den Worten von Gilks 24 in Afrika. Der Kontinent trage zwei Drittel der „weltweiten Aids-Last“.

Nach Angaben der WHO sind im vergangenen Jahr drei Millionen Menschen an den Folgen von Aids gestorben. Das sind 8000 Menschen pro Tag oder einer alle zehn Sekunden. 42 Millionen Menschen tragen derzeit das Aidsvirus in sich.

Allein 2000 Kinder unter 15 Jahren infizieren sich laut Uno- Kinderhilfswerk Unicef pro Tag mit dem Aids-Virus. Rund 90 Prozent steckten sich bei der Mutter während der Schwangerschaft, der Geburt oder beim Stillen an. Unicef forderte zum Auftakt der Aids-Debatte in der Uno-Vollversammlung, mehr Mittel gegen die Mutter-Kind-Übertragung und für Aufklärungskampagnen bereitzustellen

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Aids steht an vierter Stelle der Todesursachen

„Die Frage, ob wir die Jugendlichen mit unseren Aufklärungskampagnen erreichen, wird über den weiteren Verlauf der Epidemie entscheiden“, sagte Unicef-Direktorin Carol Bellamy. Die Immunschwäche töte in Afrika mittlerweile mehr Menschen als Krieg und Gewalt. Mehr als zwei Drittel der 15- bis 24-jährigen Mädchen im südlichen Afrika wüssten nicht, wie sie sich vor Aids schützen könnten. Unicef unterstützt in Afrika Kampagnen in denen Mädchen und Jungen gemeinsam Aufklärungsbroschüren und Filmspots entwickeln. Außerdem ermutigt es Mädchen, selbstbewusst die Verwendung von Kondomen einzufordern.

Auf der globalen Liste der Todesursachen steht Aids an vierter Stelle, in afrikanischen Ländern südlich der Sahara ist es die Haupttodesursache. In diesen Ländern hätten derzeit sogar 99 Prozent der Menschen, die eine antivirale Therapie benötigten, keinen Zugang zu diesen Medikamenten, sagte der Direktor des Uno- Aidsbekämpfungsprogramms UNAIDS, Peter Piot.

Nelson Mandela (85), ehemaliger Präsident Südafrikas und Friedens- Nobelpreisträger, macht sich im Kampf gegen Aids stark. „HIV bedroht unsere Zukunft wie nichts anderes in den letzten Jahrhunderten“, sagte er am Montag in Johannesburg. Eine weitere soziale Revolution sei notwendig, bei der die Jugend wie im Kampf gegen die Apartheid die Führung übernehmen solle. Gemeinsam mit Microsoft-Gründer Bill Gates (47) forderte Mandela, die Krankheit nicht länger als Tabu- Thema zu behandeln.

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