Organisation wollte Mordverdächtige selbst richten
IRA verliert Unterstützung

Mit einem „Mordangebot“ wollte die IRA die McCartney-Familie in Belfast versöhnlich stimmen – und erntete einen Sturm der Entrüstung, der ihren Niedergang beschleunigen wird. Seit Wochen ziehen die Schwestern des vor einem Belfaster Pub umgebrachten Robert McCartney gegen die IRA zu Felde, weil diese die Täter – IRA-Angehörige „außer Dienst“ – bisher gedeckt hatte. Gestern wurde in Belfast ein Tatverdächtiger verhaftet.

mth LONDON. In einer am Dienstagabend veröffentlichten fünfseitigen Erklärung der IRA stand wie beiläufig, man habe im Sinne „von Wahrheit und Gerechtigkeit“ der Familie angeboten, die Verantwortlichen für den Mord zu erschießen. Doch die McCartneys lehnten ab. „Wir wollten nicht Rache, sondern Gerechtigkeit vor einem Gericht“, bestätigte die Familie.

Auch die gestrige Verhaftung dürfte in Zusammenhang mit der IRA-Erklärung stehen. In einem zunächst wenig beachteten Passus forderte die IRA nämlich Zeugen des Vorfalls auf, sich der Polizei zur Verfügung zu stellen. Kurz vor der Verhaftung hatte Nordirlands Polizeichef Hugh Orde in der BBC erklärt: „Wir wissen, wer die Verdächtigen sind. Aber ohne Beweise können wir niemanden verhaften.“ Die IRA selbst hatte den Hauptverdächtigen offenbar vier Tage lang entführt und mit unsanften Mitteln verhört.

Die Kampagne der McCartney-Familie erregte weltweit Aufsehen. Zusammen mit dem wachsenden Unmut über die kriminellen Aktivitäten der Separatistenorganisation trieb sie zum erstenmal seit Generationen einen Keil zwischen die IRA und die katholisch-republikanische Bevölkerung Nordirlands, die sich bisher von ihr „beschützt“ fühlte. Eine Folge ist auch ein dramatischer Popularitätsverlust für den Chef der mit der IRA eng verwobenen Partei Sinn Fein, Gerry Adams. Das Weiße Haus zog die Dauereinladung für Adams zu den St. Patrick’s Day-Feiern in Washington nächste Woche zurück. Stattdessen wurden McCartneys Schwestern eingeladen.

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