Organisierte Kriminalität: Etappensieg gegen Mexikos Drogenkartelle

Organisierte Kriminalität
Etappensieg gegen Mexikos Drogenkartelle

Die Regierung hat einen der meistgesuchten Drogenbosse Mexikos gefasst. Doch gegen die Geschäfte der Mafia hat das Land noch kein Rezept gefunden, Präsident Calderón ist mit seiner Politik der gnadenlosen Härte in einer Sackgasse gelandet.
  • 0

MEXIKO-STADT. Für Präsident Felipe Calderón kam die Erfolgsmeldung gerade rechtzeitig. Nur Minuten, nachdem Sicherheitskräfte Edgar Valdez Villareal alias „La Barbie“ verhaftet hatten, meldete der Präsident per Twitter: „Einer der meistgesuchten Kriminellen in Mexiko und dem Ausland ist uns ins Netz gegangen.“ Auf die Ergreifung des 37-Jährigen, eines der Chefs der „Beltrán-Leyva-Organisation“, hatten Mexiko und die USA eine Belohnung von vier Mio. Dollar ausgesetzt.

Der Präsident und seine Politik gegen die Kartelle waren in den Tagen zuvor erneut schwer in die Kritik geraten. Nach der Hinrichtung von 72 Migranten auf einer Farm im Norden Mexikos durch Killer des „Zetas“-Kartells war der Regierung eine Mitschuld zugewiesen worden. Das Verbrechen hat jedem klargemacht, wie ungestört die Banden in weiten Teilen der zweitgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas operieren können.

Mehr als ein halbes Dutzend Kartelle kämpfen um den Binnenmarkt und die Routen für Schmuggelware aller Arten in die USA. Nach Erkenntnissen der USA ist Mexiko Drehkreuz für 60 bis 90 Prozent des in den USA konsumierten Kokains. Aber die Mafias verschieben auch Autos und Waffen, schmuggeln Menschen, entführen, erpressen und dominieren das Geschäft mit Raubkopien. Ihren Jahresumsatz schätzen Experten auf mehr als 100 Mrd. Dollar. Das entspricht zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Die Beltrán-Leyva-Organisation ist erst 2008 als Abspaltung des mächtigen Sinaloa-Kartells entstanden. Im Dezember hatten Marine-Soldaten den Boss und Gründer des Kartells, Arturo Beltrán Leyva, getötet. Seither kämpfte „La Barbie” innerhalb der Drogenmiliz um deren Führung. Er wurde im US-Bundesstaat Texas in einer Mittelklassefamilie mexikanischer Immigranten geboren. In den USA dealte er in großem Stil mit Kokain, dann schloss er sich dem Sinaloa-Kartell an, einer der größten Verbrecher-Organisationen Lateinamerikas. Seinen Beinamen erhielt er wegen seiner blauen Augen und der hellen Haut.

Die Festnahme gibt Präsident Calderón aber nur einen kurzen Aufschub. Er selbst hatte kürzlich eingeräumt, mit seiner Politik der gnadenlosen Härte in eine Sackgasse gelandet zu sein. Als er vor knapp vier Jahren gegen die Kartelle in die Offensive ging, schickte er 50 000 Soldaten und Bundespolizisten in den Kampf. Das Ergebnis sind 30 000 Tote und ein Land, das in manchen Teilen unter der Kontrolle der Mafias steht.

Den Sicherheitskräften sind zwar einige große Drogenbosse ins Netz gegangen. Besonders gegen die Beltrán-Leyva-Organisation gelangen entscheidende Schläge. Das konkurrierende Sinaloa-Kartell blieb dagegen weitgehend unbehelligt. Experten für Organisierte Kriminalität schließen nicht aus, dass die Regierung das Sinaloa-Kartell bewusst schont – um den Big Player im Krieg der Kartelle zu stärken und so das Morden schneller zu beenden.

Kommentare zu " Organisierte Kriminalität: Etappensieg gegen Mexikos Drogenkartelle"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%