Ort für Finanzgeschäfte
Frankreichs Zentralbankchef attackiert London

In London sollten nicht so viele Euro-Finanzgeschäfte über die Bühne gehen, findet Frankreichs Zentralbankchef Noyer. Schließlich wolle Großbritanniens nicht der Eurozone beitreten – und das müsse die Konsequenz sein.
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Tokio/LondonFrankreichs Zentralbankchef Christian Noyer hat den Finanzplatz London scharf angegriffen. Es gebe keinen Grund dafür, dass London die führende Rolle bei Euro-Finanzgeschäften spiele, sagte Noyer am Montag am Rande einer Konferenz in Tokio. "Ein Großteil des Euro-Geschäfts sollte innerhalb des Euro-Raums getätigt werden", ergänzte er im Gespräch mit der "Financial Times" vom Montag.

Noyer begründete dies mit den Möglichkeiten der Europäischen Zentralbank, Liquidität zur Verfügung zu stellen und die Aufsicht über die eigene Währung zu gewährleisten.

"Wir sind nicht dagegen, dass Geschäfte in London getätigt werden, aber der Großteil der Geschäfte sollte unter unserer Kontrolle sein", sagte der Notenbanker der Zeitung. "Das ist die Konsequenz aus der Entscheidung Großbritanniens, außerhalb der Eurozone zu bleiben", sagte er. Am Finanzplatz in London werden der "Financial Times" zufolge mehr als 40 Prozent der Euro-Geschäfte weltweit abgewickelt. Das sei mehr als in der gesamten Euro-Zone zusammen.

Noyers Kritik kommt zum Beginn einer wichtigen Woche für die EU. In Brüssel werden am Dienstag die EU-Finanzminister zusammenkommen, um über eine einheitliche Bankenaufsicht unter dem Dach der Europäischen Zentralbank (EZB) zu beraten. Bisher herrscht noch nicht in allen Punkten Einigung unter den Ländern, beispielsweise in der Frage, für welche Institute die neuen Wächter zuständig sein sollen.

 
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ort für Finanzgeschäfte: Frankreichs Zentralbankchef attackiert London"

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  • @Rene

    Das hat mit Kapitalflucht nicht unmittelbar was zu tun. Ein gewiefter Broker handelt heutzutage eben da, wo die Transaktion am schnellsten und billigsten zu haben ist, ganz gleich wo das Geld dazu zuhause ist.
    Aber natürlich gibt es auch einen Trend, dann eben allmählich auch da zu beheimaten, wo man damit handelt.
    Falls Sie schon einmal mit französischen Banken zu tun hatten, kommen sie ein zweitesmal auch nicht wieder.

  • "Es gebe keinen Grund dafür, dass London die führende Rolle ...". Was der nicht sagt, typisch französisch. Und es dann noch verbieten wollen. Es gibt ganz massive Gründe dafür, daß London so stark ist. Wenn man dauernd den Markt stört, dann geht der eben dahin, wo die Eingriffe am geringsten sind.

    Das ganze ist ungefähr genauso blöd wie den Schweizern Beihilfe zur Steuervermeidung in D vorzuwerfen. Ein Staat darf nur soviel Steuern erheben wie er zur Erfüllung seiner Aufgaben benötigt (Staatsrechtlehre!), und wenn die Schweiz weniger Bedarf hat, dann erhebt sie eben auch weniger Steuern. Das ist der Wettbewerb, der mit dem EU-Einheitsbrei unter allen Umständen vermieden werden soll. Übrigens auch so eine französische Idee, nur hat's in D noch kaum jemand begriffen.

  • ich glaub das hat sich bald von selbst erledigt.

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