Ortsbesuch
Die Sisyphusarbeit der Griechen

Handeln statt warten, nach vorne gehen statt jammern: Unternehmer und Politiker, Ökonomen und Kreative - viele Menschen arbeiten an der Vision eines neuen Griechenlands, eines ehrlicheren, innovativeren, unbürokratischeren Griechenlands. Die große Frage: Schaffen sie es, die Mehrheit des Volkes hinter sich zu scharen? Es gibt zumindest Indizien, wie die Antwort ausfallen könnte. Ein Ortsbesuch im Epizentrum der Euro-Krise.
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Gikas Hardouvelis schiebt die Lesebrille auf die Nasenflügel und beugt sich über ein eng beschriebenes Blatt Papier. Rechts und links auf seinem Schreibtisch türmen sich die Akten. In jeder einzelnen steckt ein neues Thema, ein neuer Reformvorschlag, ein neuer Lösungsansatz. Zur Bankenrettung, zur Privatisierung von Staatsfirmen, zum Schuldenabbau.

Sein Schreibtisch steht in einem Büro gleich rechts neben dem Amtszimmer von Lukas Papademos, dem griechischen Premierminister. Hardouvelis leitet das Ökonomische Büro des Regierungschefs in dessen Amtssitz, der Villa Maximos. Alles, was Papademos in diesen Tagen tut, bespricht er vorher mit Hardouvelis. „Ich hatte noch nie einen so harten Job“, sagt der Ökonom. Aber wohl auch noch nie einen so wichtigen. Das Land wartet auf Lösungen. Auf schnelle Lösungen.

Darum gibt es in Griechenland keinen langen Wahlkampf. Am 6. Mai wählen die Griechen ein neues Parlament. Spätestens im Juni muss es weitere Reformen beschließen. Hardouvelis bereitet sie schon jetzt vor. Denn nur, wenn das Land den Zeitplan einhält, fließt die nächste Tranche aus dem Hilfspaket der Euro-Länder und des Internationalen Währungsfonds. Einmal mehr muss das Land sich vor dem Bankrott retten. Die Bürger verlieren die Geduld. 21 Prozent der Griechen sind arbeitslos, bei den 15- bis 24-Jährigen ist es sogar jeder Zweite. Die Einkommen im öffentlichen Dienst wurden um 20 Prozent und mehr gekürzt, die Löhne in der Privatwirtschaft sanken 2011 um mehr als elf Prozent. So hat sich Griechenland teils selbst verschuldet, teils erzwungen in eine Falle manövriert: In einer Zeit, in der es wachsen müsste, schrumpft es.

So kann es nicht weitergehen, sagen Unternehmer und Politiker, sagen Ökonomen und Kreative. Anders als zu Beginn des langen Abstiegs ihres Landes schauen die Griechen dabei nicht mehr verzagt zu, beschränken sich nicht mehr auf Jammern und Konservieren alter Privilegien. Sie warten nicht mehr darauf, dass die Politik etwas tut. Sie tun selbst etwas.

Aber noch ist die neue Aufbruchsstimmung nicht gefestigt. Noch gibt es viele Griechen, die sich als Opfer einer internationalen Verschwörung fühlen, noch ist es nicht ausgeschlossen, dass die Griechen bei der Wahl Parteien stärken, die eher auf Protest denn auf konstruktives Arbeiten an der Zukunft des Landes setzen, noch ist nicht ausgeschlossen, dass der alte Schlendrian zurückkehrt.

Aber noch nie waren die Chancen so gut, dass die Griechen ihr Phlegma überwinden. Die erneute Reise in das Epizentrum der Euro-Krise sechs Monate nach dem ersten Besuch des 20-köpfigen Handelsblatt-Reporter-Teams führt zu einem Wirtschaftswissenschaftler, der selbst ins Parlament drängt, einem Unternehmenschef, der Arbeitsplätze schafft, einem Behördenchef, der gegen alte Seilschaften kämpft – Menschen, die Beharrungsvermögen durch Tatkraft ersetzt haben. Sie alle arbeiten an einer Vision. An der Vision eines neuen Griechenlands, eines ehrlicheren, innovativeren, unbürokratischeren Griechenlands. Die große Frage: Schaffen sie es, die Mehrheit des Volkes hinter sich zu scharen? Es gibt darauf bisher keine Antwort. Aber Indizien, wie die Antwort ausfallen könnte.

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  • Betr. Zeus
    Also - ich glaube inzwischen, dass die Redaktion diesen Zeus erfunden hat, um die Klickquote zu erhöhen...
    So einfältig kann doch ein echter Mensch gar nicht sein. Trotzdem: herzlichen Glückwunsch, Redaktion! Gute Idee!

  • Auch wenn der Dokumentarfilm anstrengend ist, zeigt er doch, wie verbrecherisch dieses illegitime Schuldensystem aufgebaut ist.
    Der einzige Ausweg ist die Aufklärung der Völker über die Illigitimität der handelnden Regierungen Europas!
    Sehr guter Film.
    Danke für den Link

  • Der Artikel ist etwas langatmig so viel Zeit habe ich nicht. Wenn GR aus dem Euro austräte, müsse man sich um das Wachstum keine Gedanken mehr machen. GR würde boomen.

    Die langatmigkeit zeigt nur wie schwierig es ist Hoffnung herbeizuschreiben. Die Scheere zwischen uns und GR wird jede einzelne Stunde größer.

    Mit jeder Stunde, die GR auf der Euro-Austritt verzichtet, werden sie nur tiefer in den Abgrund rutschen.

    Es ist ja gerade das Ziel des Euros die PIIGS mittels Export auszubeuten, bis ihr Blut kommt. Und jetzt kommt Blut.

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