Ortsbesuch
Swift-Zentrale: Das geheimnisvolle Schloss

Wie ein Märchenschloss liegt der Hauptsitz von Swift in einem weitläufigen Park mit kleinem See und Springbrunnen. Am Rande von Brüssel, in La Hulpe, hat das belgische Unternehmen ein sandfarbenes Gebäude mit dicken Wänden und symmetrisch angeordneten Säulen errichtet. Sobald der Besucher die Eingangshalle betritt, wird er jedoch aus seinem Märchentraum gerissen.

LA HULPE. Zunächst muss er eine kreisrunde, gläserne Sicherheitsschleuse passieren – so als würde er in der nächsten Minute auf einen anderen Planeten gebeamt. Danach kontrollieren Mitarbeiter den Ausweis minutiös und händigen dem Besucher ein kleines Merkblatt mit Sicherheitsvorschriften aus. Nichts wird hier dem Zufall überlassen. Swift achtet auf Geheimhaltung und Sicherheit – zumindest im eigenen Haus.

Der Reihe nach. Zunächst das, was nicht geheim ist: Rund 1 000 Personen arbeiten im Hauptsitz von Swift, dem weltweiten, genossenschaftlich organisierten Datentransfernetz. Rund 8 100 Banken nutzen das Netz; täglich werden darüber im Schnitt rund zwölf Millionen Transaktionen, Überweisungen oder Wertpapiergeschäfte etwa, abgewickelt, werden Tausende Milliarden Dollar rund um den Globus geschickt.

Nun zur Geheimniskrämerei: Im vergangenen Jahr war das Unternehmen in die Schlagzeilen geraten, weil ein amerikanischer Journalist herausfand, dass Swift seit Jahren Überweisungs- und Kundeninformationen an die US-Sicherheitsbehörden weitergibt. Die offizielle Begründung lautet, die Informationen seien zur Terrorabwehr notwendig. Europäische Banken und Unternehmen dagegen vermuten Wirtschaftsspionage.

„Das stimmt nicht“, sagt Swift-Finanzchef Francis Vanbever. Sein Büro liegt im ersten Stock des Schlösschens; der dicke Teppichboden nimmt die Farbe der Aussenfassade auf. Die Wände zieren einige Gemälde. Ansonsten ist die Dekoration eher schlicht. Von hier startete Swift seinen Verteidigungsfeldzug gegen die Vorwürfe von Unternehmen und Datenschützern: „Wir müssen die Gesetze des Landes befolgen, in dem wir ansässig sind. Die Amerikaner wollten unsere Daten. Dagegen konnten wir nichts tun“, argumentiert Vanbever.

Swift spielt das unschuldige Opfer. Und auf den ersten Blick stimmt das auch. Denn Swift beugte sich den Anforderungen der USA, weil eines der beiden Datenzentren in den Vereinigten Staaten steht. Das andere steht in Holland. Weitere Details zu den Datenzentren – geheim. Nur so viel: Die beiden Standorte seien gewählt worden, weil die Hauptkunden von Swift in Europa und den USA säßen. In Europa sind es rund 2 300, in Amerika rund 600 Banken und Finanzinstitute. Die Computer auf den beiden Kontinenten speichern parallel die gleichen Daten – den kompletten Zahlungsverkehr – 124 Tage lang. Das sind vor allem Überweisungen, die mit dem so genannten „Swift-Code“ gesteuert werden, über den jedes Konto zu identifizieren ist. Aber über die Swift-Computer laufen auch Anweisungen von Brokern zum Aktienverkauf oder Vorgaben, wie Aktionäre auf einer Hauptversammlung abstimmen sollen. Insgesamt gibt es 220 verschiedene Meldungstypen. Und genau die wollen die Amerikaner einsehen – und Swift liefert prompt.

Aber, sagt Finanzchef Vanbever, der Zugriff der Amerikaner sei nicht uneingeschränkt: „Die Amerikaner können nicht direkt auf unsere Daten zugreifen. Wir übertragen die Informationen in eine gesonderte Datenbank, in der die Amerikaner dann nach Stichwörtern suchen können.“ Kontrolliert werden sie dabei von Swift-Mitarbeitern und unabhängigen Prüfern. „Sie beobachten die Zugriffe der Amerikaner und können sie sofort stoppen, wenn sie zum Beispiel den Verdacht haben, da könnte es sich um Wirtschaftsspionage handeln“, sagt Vanbever. Er fügt hinzu: „Die Amerikaner können zum Beispiel nicht eine Liste mit allen ‚Mohammeds' verlangen oder Siemens durchleuchten.“ Auch Anfragen zu Kunden aus einem bestimmten Land oder ab einer bestimmten Überweisungssumme seien nicht möglich. Jede Anfrage müsse mit einem konkreten Terrorverdacht begründet sein.

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