Oslo
Friedensnobelpreis an Ahtisaari übergeben

Für seine jahrelangen Vermittlungsbemühungen zur Lösung internationaler Konflikte hat der frühere finnische Staatspräsident Martti Ahtisaari am Mittwoch den Friedensnobelpreis erhalten. Die Auszeichnung wurde ihm bei einer Feierstunde in Oslo vom Vorsitzenden des norwegischen Nobelpreiskomitees, Danbolt Mjös, überreicht.

HB OSLO/STOCKHOLM. Das Komitee würdigte damit den mehr als drei Jahrzehnte umfassenden Einsatz des heute 71-Jährigen für einen dauerhaften Frieden in der Welt.

Ahtisaari hat insbesondere in Namibia, in der indonesischen Provinz Aceh und im Kosovo vermittelt. Bei der Entgegennahme des Nobelpreises betonte er, Friede sei letztlich eine Frage des Willens: „Alle Konflikte sind lösbar, und es gibt keine Entschuldigung dafür, sie in alle Ewigkeit auszuweiten.“ Natürlich könne eine Konfliktpartei für sich den Sieg beanspruchen, „aber am Aufbau von Frieden müssen alle beteiligt sein: die Schwachen und die Mächtigen, die Sieger und die Unterlegenen, Männer und Frauen, Jung und Alt.“

Die Regierungen in aller Welt rief Ahtisaari auf, die Millenniumsziele zur Verringerung der Armut nicht aus den Augen zu verlieren: „Wenn hier nichts getan wird, schaffen wir eine Brutstätte für Kriminalität, Instabilität und Krieg, wenn junge Menschen jegliche Hoffnung verlieren.“ Der Kampf gegen Armut sei langfristig auch die effektivste Maßnahme zur Abwehr des Terrorismus.

Kurz vor der Preisverleihung rief Ahtisaari die USA und andere Weltmächte dazu auf, Israelis und Palästinensern nicht länger bei ihrer gegenseitigen Zerstörung zuzuschauen. Sie müssten aktiv werden, um einen Frieden im Nahen Osten herbeizuführen, forderte Ahtisaari im Interview der Nachrichtenagentur AP in Oslo. Bei der anschließenden Zeremonie bekräftigte er seine Auffassung, dass auch der Nahost-Konflikt lösbar sei: „Die Lösung erfordert aber einen Beitrag aller Beteiligten sowie auch der internationalen Gemeinschaft.“

Auf die AP-Frage, was der künftige US-Präsident Barack Obama für einen Frieden im Nahen Osten tun könnte, antwortete Ahtisaari: „Die Pläne liegen auf dem Tisch. Sie müssen nur umgesetzt werden.“

Am Nachmittag sollten in Stockholm dann auch die Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Wirtschaft verliehen werden. Unter den Preisträgern ist auch Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Er wurde für die Entdeckung der sogenannten Papillomviren geehrt, die Gebärmutterhalskrebs auslösen. Den Medizinnobelpreis teilt er sich mit Luc Montagnier und Françoise Barré-Sinoussi aus Frankreich, die bei der Entdeckung von HIV, des Aids auslösenden Virus, eine bahnbrechende Rolle spielten.

Den Nobelpreis für Physik erhielten ein US-Bürger japanischer Abstammung sowie zwei Japaner für Forschungen auf dem Gebiet der Teilchenphysik. Der Nobelpreis für Chemie ging an einen Japaner und zwei US-Bürger für wichtige Erkenntnisse in der Zellbiologie.

Für sein literarisches Schaffen wurde der französische Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Den Nobelpreis für Wirtschaft erhielt der Amerikaner Paul Krugman für seine Theorien über Außenhandel und Wirtschaftsgeographie.

Die Preise sind jeweils mit zehn Mio. Kronen (gut eine Million Euro) dotiert und wurden wie immer am Todestag des Stifters Alfred Nobel verliehen.

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