Ost-Europas Boom-Kandidat
Die ukrainische Ungewissheit

Rund 400 deutsche Firmen sind in der Ukraine aktiv, doch Korruption und Rechtsunsicherheit schrecken Investoren ab. Die Zukunft ist ungewiss: Kooperiert das Land mit der EU, mit Russland – oder droht die Isolation?
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KiewDie Bänder des Schleifmittelherstellers Klingspor in Welyki Mosty laufen seit vergangenem Jahr. Roland Kaschny, Chef des Ukraine-Geschäfts, betreut gerade den Bau einer zweiten Fabrik im Westen des Landes, die Arbeiten an einer dritten Werkhalle sollen im kommenden Jahr beginnen. Bis zu sechs Millionen Euro investiert die hessische Firma jeweils. Ihr Gelände in der Westukraine bietet Platz für acht Produktionshallen.

In die Ukraine kam der Mittelständler über Polen. Als dort nach dem EU-Beitritt die Kosten stiegen, verlagerte Klingspor einige seiner Maschinen weiter östlich. Kaschny weiß: „Die Ukraine hat riesiges Potential.“ Aber er sagt auch: „Im Moment schläft es noch.“

Klingspors Expansion zählt zu den Ausnahmen. Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner, etwa 400 Firmen sind im Land aktiv. Doch vor Ort produziert kaum jemand. Am geringen Interesse und dem schlechten Image hat auch die Fußball-EM im Sommer wenig ändern können. Jetzt, vor der Parlamentswahl am Sonntag, wartet jeder ab, Investitionen liegen vorerst auf Eis.

Zum Wahlausgang gibt es unterschiedliche Meinungen unter deutschen Geschäftsleuten. Macht die Regierungspartei nach einem Sieg weiter wie bisher? Würde eine andere Mehrheit das Land lähmen oder voranbringen? Niemand glaubt an grundlegenden wirtschaftlichen Wandel. Einigkeit gibt es nur in der Hoffnung auf einen geordneten Wahlgang – grobe Manipulationen könnten zu Protesten führen. Die Wirtschaft aber hofft auf Stabilität.

In Umfragen liegt die Partei der Regionen von Präsident Viktor Janukowitsch vorne. Aber auch die Opposition ist stark. Box-Weltmeister Witalij Klitschko führt die Partei Udar (Schlag) ins Rennen. Das Bündnis Vaterland von Julia Timoschenko muss wegen der als politisch kritisierten Haftstrafe ohne ihre Anführerin antreten.

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  • Das Grundproblem des Landes ist ein kulturelles. Aufgrund der langen Zugehörigkeit zu Russland und die damit einhergehende kulturelle Unterdrückung (selbst die ukrainische Schriftsprache war unter dem Zaren verboten) ist das Land gespalten. Im Westen (einschl. Kiew) ist das Land eher westlich orientiert. Durch die russische Ansiedlungspolitik im 19. Jh., vor allem im Donbass (Donezk, etc.) und auf der Krim, sind die Russen im Osten und Süden in der Bevölkerungsmehrheit. Diese Bevölkerungsgruppe spricht aber kein ukrainisch. Selbst der jetzige Präsident Janukowitsch ist der Landessprache nicht mächtig! Vor dem einmaligen Nationaldenkmal aller orthodoxen Slawen, der Sophienkathedrale von Kiew, steht das Denkmal des Polen-Bezwingers Bogdan Chmelinski. Auf einem Pferd sitzend zeigt er seinem Volk den Weg: Sein Generalsstab weist nach Osten, nach Russland. Ein bezeichendes Bild einer zerrissenen Nation: Immer zwischen Polen und Russland schwankend. Das (!) ist das Problem eines großen europäischen Landes mit prinzipiell großen Möglichkeiten: Die Ukraine.

  • Anscheinend haben sie den Immobilienmarkt in Kiew zum letzten Mal 2008 betrachtet und kennen die Münchner Preise nicht mehr! Der Verschuldungsgrad der Privathaushalte ist nur auf dem Papier hoch - die Eigentumsquote bei Immobilien weit über deutschem Niveau, was auch das Überleben mit geringsten Löhnen ermöglicht. Einen Staatsbankrott ist in weiter Ferne und die Währung wird etwas gegenüber dem Dollar devaluieren,mehr nicht! Und nicht mal in den Krisenjahren Anfang der 90er bzw. 2004 gab es gewalttätige Demonstrationen. Ja, Korruption und staatliche Willkür sind an der Tagesordnung....aber kein Vergleich mit Russland!

  • Unsere gierigen Unternehmen lockt der günsitge Loh. So, so. Den haben sie doch aber Dank Schröder und Merkel auch hier. Aber dort ist es wohl noch billiger.
    Und die EU mahnt.
    Was geht die Ukraine die EU an?
    Was hat die EU, was haben wir auf dem russische Hinterhof zu suchen?
    Ich denke, es wird Zeit, dass das diktatorische EU-Gehabe endlich beendet wird.
    Oder will man, auf Sicht gesehen, auch noch mit Russland Unfrieden?
    Russland wird es sich auf Dauer nicht gefallen lassen, dass Deutschland immer frecher dort rumwildert
    Oder willk Brüssel demnächst die ganze Welt in die EU haben?

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