25.01.2006

Abhängkeit von russischem Erdgas: Osteuropa sucht neue Energiepolitik

In den EU-Staaten Ost- und Mitteleuropas ist eine Debatte über die künftige Energieversorgung entbrannt. Die gegenwärtige Kältewelle zeigt erneut die Abhängigkeit der östlichen EU-Mitglieder von Gaslieferungen aus Russland.

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von Reinhold Vetter

WARSCHAU. Die Länder, die stark vom russischen Erdgas abhängig sind, fürchten um die Zuverlässigkeit Russlands als Energielieferant. Diskutiert wird vor allem über die künftige Energiepolitik der Europäischen Union und Möglichkeiten, neben Russland andere Länder als Versorger einzubeziehen.

In den vergangenen Tagen hat Russland vor allem seine Gaslieferungen nach Polen, Ungarn, in die Slowakei sowie nach Kroatien und Rumänien reduziert. „Wir haben gut 30 Prozent weniger erhalten“, sagte Polens Wirtschaftsminister Piotr Wozniak. Von den Lieferengpässen seien vor allem große Unternehmen der Chemieindustrie, nicht aber die privaten Haushalte betroffen, so der Minister. Der ungarische Energiekonzern Mol riet seinen Großkunden, zeitweise auf andere Energieträger umzusteigen. Nur aus Tschechien wurde bislang nichts über Reduzierungen bekannt: „Wir haben gute Verträge mit (dem russischen Staatskonzern) Gazprom“, lautet die Standardformulierung von Premier Jiri Paroubek für solche Fälle.

Die Abhängigkeit Ostmitteleuropas ist erheblich. Die EU-Staaten dieser Region beziehen zwischen 69 und 100 Prozent ihres Erdgasbedarfs aus Russland, erklärt Roland Götz von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Experten wie Margarita Balmaceda von der amerikanischen Havard Universität führen diese einseitige Bindung auf überkommene Strukturen aus kommunistischen Zeiten zurück. Damals diktierte Moskau den Satellitenstaaten im Ostblock die wirtschaftliche Entwicklung. Die starren Lieferstrukturen und das Pipelinesystem ketteten die Osteuropäer an Moskau. „Im Prinzip existieren keine direkten Leitungen zwischen Ostmitteleuropa und Anbietern wie Aserbeidschan, Kasachstan und Turkmenistan“, betont Balmaceda. Auch die fehlenden Lagerkapazitäten und die niedrige Energieeffizienz der Kraftwerke seien ein strukturelles Erbe der Sowjetzeit.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Dringende Suche nach Alternativen

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