Osteuropabank
Thomas Mirow tritt ab

Der britische Kandidat Suma Chakrabarti wird neuer Präsident der Osteuropabank. Der deutsche Amtsinhaber Thomas Mirow hat die Wiederwahl nicht geschafft. Die Vergabe wurde mit Spannung erwartet.
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LondonDie britische Regierung hat sich mit dem ihrem Kandidaten bei der Wahl des neuen EBRD-Präsidenten durch gesetzt. Der Londoner Spitzenbeamte Suma Chakrabarti übernimmt den Posten vom Deutschen Thomas Mirow, der bislang an der Spitze der Osteuropabank stand.

Der 53-jährige Chakrabarti konnte sich beim EBRD-Jahrestreffen in London erst nach einer Kampfabstimmung im dritten Wahlgang durchsetzen. Thomas Mirow hatte bis zum Ende gehofft, dass ihn vor allem die kleineren Länder aus Osteuropa unterstützen würden. Diese Unterstützung hat aber nicht gereicht. Großbritannien ist es gelungen, vor allem andere angelsächsische Länder wie die USA und Kanada für sich zu gewinnen.

Deutschland hatte Mirow nicht unterstützt, um die Wahl von Finanzminister Wolfgang Schäuble zum Vorsitzenden der Euro-Gruppe als Nachfolger des Luxemburger Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker nicht zu gefährden. Die Regierung in Berlin wollte den Eindruck vermeiden, dass die Deutschen zu viele Spitzenposten in Europa besetzen. Zum ersten Mal steht ein Brite an der Spitze der Bank, bislang hatten sich immer Deutsche und Franzosen in der Führung abgewechselt.

Chakrabarti ist einer der führenden Spitzenbeamten in Großbritannien, besitzt aber keine eigene Bankerfahrung. Der Brite arbeitet derzeit auf der obersten Beamtenebene gleich unterhalb des Ministers im Londoner Justizministerium. Dort hat er wichtige internationale Verträge aus dem Wirtschaftsbereich betreut und mit ausgearbeitet. Chakrabarti ist selbst ausgebildeter Jurist. Der Spitzenbeamte hat außerdem im britischen Entwicklungsministerium gearbeitet und dort internationale Erfahrung gesammelt. Weitere Stationen waren die Haushaltsplanung im britischen Finanzministerium und das Büro des Premierministers, wo er sich ebenfalls vor allem mit Wirtschaftsfragen beschäftigt hat.

Bisher wurde die 1991 gegründete Osteuropabank stets entweder von einem Franzosen oder Deutschen geführt. Von 1998 bis 2000 etwa stand der spätere Bundespräsident Horst Köhler dem in London sitzenden Kreditinstitut vor, das die Länder Mittel- und Osteuropas sowie der ehemaligen Sowjetunion beim Übergang zur Marktwirtschaft unterstützen soll.

Heute finanziert die EBRD in 29 Ländern vor allem Projekte im privaten, aber auch im öffentlichen Sektor. Im vergangenen Jahr betrug das Investitionsvolumen mehr als neun Milliarden Euro. Die Anteile an der Osteuropabank verteilen sich auf 63 Staaten, die EU und die Europäische Investitionsbank. Dank ihrer hohen Kreditwürdigkeit - die Ratingagenturen verleihen ihr die Top-Bonität AAA - kann sich die EBRD auf den Finanzmärkten besonders günstig refinanzieren.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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