Osthoff-Entführung
Arabischer Nachrichtensender bietet Plattform

Dem deutschen Krisenstab ist es auch Wochen nach der Verschleppung Susanne Osthoffs nicht gelungen, Kontakt zu den Entführern aufzunehmen. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Nadeem Elyas, will bereits mit einer offiziellen Delegation in den Irak fliegen, um Mittelmänner zu den Kidnappern zu suchen.

BERLIN. Notfalls will er sich im Austausch mit der Archäologin selbst in deren Gewalt begeben. Ein verzweifeltes Ansinnen – dem Umstand geschuldet, dass kein Kanal zu den Entführern offen steht.

Gerhard Schröder hat einen anderen Weg gewählt, um mit den Unbekannten zu sprechen: Er ließ den arabischen Nachrichtensender Al Dschasira eine Video-Botschaft ausstrahlen. Der Aufruf des Altkanzlers war staatstragend und eindringlich: „Ich appelliere an Ihre Menschlichkeit und Barmherzigkeit“, sagte er. „Lassen Sie bitte Susanne Osthoff und ihren Fahrer frei.“ Im Hintergrund wehten die schwarz-rot-goldenen Nationalfarben durchs Bild. Für das deutsche Fernsehpublikum war das ein Novum. Dass Familienmitglieder von Geiseln an Entführer appellieren ist nicht ungewöhnlich. Doch der Aufruf des Altkanzlers demonstriert eine neue Dramatik.

„Traditionell verfügen deutsche Geheimdienstler im arabischen Raum über gute Drähte“, sagt Kai Hirschmann vom Essener Institut für Terrorismusforschung. „Doch im Irak waren sie schon mal besser“.

Dass Schröder für seinen Auftritt – auf Wunsch der Familie und in Absprache mit Angela Merkel – Al Dschasira wählte, hat gute Gründe. Der Sender mit Sitz in Katar verfügt über eine enorme Reichweite im arabischen Raum. 30 Millionen Haushalte können nach Angaben der Station den Kanal empfangen – arabische Haushalte mit nicht selten zehn oder mehr Mitgliedern. „Was Reichweite und Glaubwürdigkeit angeht ist Al Dschasira die beste Plattform“, sagt der Berliner Studioleiter, Akhtam Suliman. An der objektiven Berichterstattung des Senders hatte es jedoch häufiger Zweifel gegeben. So schloss die irakische Regierung im Sommer 2004 das Al Dschasira-Büro in Bagdad, weil sie den Sender beschuldigte, Erklärungen irakischer Widerstandsführer ausgestrahlt und damit zur Gewalt gegen die Koalitionstruppen beigetragen zu haben.

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