Osthoff-Entführung
Warnung an Berlin

Warum wurden die Deutsche Susanne Osthoff und ihr einheimischer Fahrer im Irak verschleppt? Die Friedensbewegung glaubt die Antwort zu kennen. Offiziell besteht aber weiterhin kein Kontakt zu den Geiselnehmern. Allerdings gibt es Hinweise darauf, wer die Täter sind.

HB KASSEL. Mit der Entführung von Susanne Osthoff im Irak soll die neue Bundesregierung nach Einschätzung der Friedensbewegung vor einem pro-amerikanischen Kurs im Irakkonflikt gewarnt werden. Die Gefahr bestehe, dass Deutschland auch ohne das Entsenden von Truppen schrittweise in den Konflikt verstrickt werde, sagte der Friedensforscher Werner Ruf am Sonntag bei der Jahrestagung der Friedensbewegung in Kassel.

Statt in der Irakfrage einen engeren Schulterschluss mit den USA zu suchen, solle Deutschland seine indirekte Unterstützung für den Krieg beenden. Trotz Chaos und Gewalt im Irak biete letztlich nur der Abzug der Besatzungstruppen die Möglichkeit, Terror und Entführungen ihre Grundlage zu entziehen, sagte Ruf.

Mehr als eine Woche nach der Entführung der deutschen Archäologin Susanne Osthoff im Irak haben die Bemühungen der Bundesregierung um ihre Freilassung noch keine erkennbaren Fortschritte gebracht. Das Bundesaußenministerium ließ am Sonntag offen, ob inzwischen eine Kontaktaufnahme mit den Geiselnehmern gelungen sei. Die Regierung setze ihre Bemühungen in dem Entführungsfall unvermindert intensiv fort, sagte ein Ministeriumssprecher lediglich. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte tags zuvor eingeräumt, dass es noch keinen Kontakt mit den Entführern der 43-Jährigen gebe.

Osthoff und ihr Fahrer waren am 25. November auf einer Überlandfahrt im Nordirak verschleppt worden. Nach Medienberichten war in der Nacht zum Freitag ein erstes Ultimatum der Entführer verstrichen. Das Auswärtige Amt wollte sich dazu nicht konkret äußern. Der ARD zufolge haben die Entführer in einem Video mit der Ermordung der Geiseln gedroht, wenn die Bundesregierung die Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung nicht einstellt.

Die Entführer nennen sich dem „Spiegel“ zufolge „Saraja al-Salasil“, was übersetzt „Sturmtruppen der Erdbeben“ heiße. Dem Bericht zufolge könnten die Entführer daher nach Ansicht des Krisenstabes dem arabisch-nationalistischen Milieu der Ischrin-Brigaden angehören. Eine Gruppe ähnlichen Namens habe schon früher mit den vor allem sunnitischen Ischrin-Brigaden kooperiert, die seit Sommer 2003 im Irak aktiv seien. Dem „Tagesspiegel“ zufolge könnte die Übersetzung nach Einschätzung von Sicherheitsexperten auch „Sturmtruppen des Widerstands“ lauten. Mehrere Details sprächen dafür, dass die Gruppe nicht zum Kreis des Al-Kaida-Verbündeten Abu Massab al-Sarkaui gehöre.

Seite 1:

Warnung an Berlin

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%