Ostukraine
Der Kampf ums Geld

Wer kann, der tauscht in der Ostukraine die heimische Währung gegen Euro oder Dollar. Denn das Geld verliert rasant an Wert, die Preise steigen. Dramatisch für die meisten Ukrainer. Doch es gibt auch Gewinner.
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DnipropetrowskEs ist wie an jedem Tag in diesen Wochen: Vor dem kleinen Elektrogeschäft in der ostukrainischen Industriestadt Dnipropetrowsk verfolgen wieder mehrere Menschen die dramatischen Ereignisse in Slawjansk und Kramatorsk, wo sich ukrainische Soldaten und prorussische Rebellen einen erbitterten Kampf liefern. Der Ladeninhaber hat einen Fernseher im Schaufenster aufgestellt, auf dem die dramatischen Bilder laufen. „Jetzt ist es aus“, seufzt ein älterer Herr als er einen Panzer mit russischer Flagge sieht. Der Fernsehkommentator sagt, der ukrainische Panzer sei von den Aufständischen erobert worden. Später wird berichtet, die ukrainische Panzer-Besatzung sei zur prorussischen Seite übergelaufen. Verwirrung total, niemand weiß mehr, was sich da rund drei Autostunden von Dnipropetrowsk gerade abspielt.

Sicher ist dagegen, was die Menschen hier nur zehn Meter weiter beobachten können: Neben dem Elektrofachgeschäft leuchtet in grell-gelben Farben auf einem großen Digital-Display der Wechselkurs der einheimischen Währung. Hrywnja zum Dollar, Euro zum Hrywnja, Hrywnja zum Rubel. Wie man es dreht und wendet, es wird nicht besser. Vera, eine Rentnerin erzählt, dass sie mit ihren 1.500 Hrywnja im Monat schon vor der Krise nicht zurechtkam. „Jetzt muss mir meine Tochter helfen. Mein Geld reicht nicht mehr“, klagt die alte Frau.

1.500 Hrywnja, das sind nicht einmal 85 Euro. Im Monat. Und dafür soll Vera ihren Lebensunterhalt bezahlen. Die ukrainische Währung hat seit Jahresbeginn mehr als 35 Prozent ihres Wertes gegenüber dem Euro verloren. Damit hält sie einen traurigen Rekord: Keine andere Währung auf der Welt ist in diesem Jahr so stark gefallen wie der Hrywnja. Und seit der dramatischen Zuspitzung der Lage im Osten des Landes hat sich Fall des Hrywnja noch einmal beschleunigt. Wer derzeit Euro besitzt und sie gegen die ukrainische Währung eintauscht, kann in diesen Tagen günstig in der Ukraine leben: Ein Cappuccino für 80 Cent, ein Marken-Smartphone für 70 Euro, ein Abendessen für vier Euro.

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Vom Umrechnungskurs wollen auch viele Ukrainer profitieren. Die meisten Menschen tauschen ihr Erspartes, wenn sie denn überhaupt etwas übrig haben, sofort in Dollar oder Euro um. Die Delta Bank in Dnipropetrowsk zahlt an diesem Mittwoch 17,10 Hryvnja für einen Euro. Zu Beginn vergangener Woche erhielt man nur 14 Hrywnja. Ein kleiner Gewinn. Doch: „Die Milch ist teurer geworden, Käse, Eier, Brot, einfach alles“, sagt Swetlana. Die 32-jährige Krankenschwester verdient im Monat gerade einmal 1.600 Hrywnja, ein paar Euro mehr als die Rentnerin. Und sie ist böse. „Im Fernsehen erzählen sie, der Durchschnittslohn würde 3.000 Hrywnja betragen, aber ich kenne unter meinen Freunden und Bekannten niemanden, der soviel bekommt“, klagt sie.

Im kleinen Kaufhaus mit dem in diesen Zeiten höchst aktuellen Namen „Europa“ haben Verkäuferinnen wieder einmal begonnen, die Waren neu auszuzeichnen. „Es ist schon das zweite Mal nur in diesem Monat“, sagt eine junge Angestellte. Noch sind es nur ein paar Hrywnja mehr für einen Pullover, doch sollte sich das äußerst angespannte Verhältnis zu Russland nicht bald deutlich verbessern, wird es bei dieser einen Preiskorrektur nicht bleiben.

Kommentare zu " Ostukraine: Der Kampf ums Geld"

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  • Mal wieder ein typischer Verdummungsartikel: es wird hier natürlich nur erwähnt, dass der Fiat-UAH gegen andere Papierwährungen wie EUR und USD jetzt natürlich eklatant fällt.
    Viel, viel entscheidender und aussagekräftiger ist allerdings, wie in einer veritablen Währungskrise die Entwicklung gegen richtiges Geld = Gold aussieht. Man schaue sich den atemberaubenden K.o.-Schlag, den Gold (und übrigens auch Silber) hier der UAH versetzt, im 1y-Chart an und präge ihn sich schon einmal gut ein:
    http://www.24hgold.com/english/gold_silver_prices_charts.aspx?money=UAH&country=Ukraine
    Das werden wir nämlich in nicht allzu ferner Zukunft mit EUR und USD ebenfalls erleben, wenn nämlich auch diese ungedeckten Papierwährungen wieder auf ihren intrinsischen Wert zurückfallen...

  • Zitat : Der Fernsehkommentator sagt, der ukrainische Panzer sei von den Aufständischen erobert worden. Später wird berichtet, die ukrainische Panzer-Besatzung sei zur prorussischen Seite übergelaufen.

    - und letztendlich spricht alles dafür, das die Panzerbesatzung wohl russisch war !

    Die Ukrainer haben entweder keine Panzer oder keine Besatzung für diese.

    Peinlicher kann man wohl einen Militäreinsatz nicht planen.

    Und wie wollen diese Knaben mit der Nato in den Krieg ziehen...?

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