Ostukraine
Hafenstadt Mariupol unter Beschuss

In der Ukraine ist der Kampf um Mariupol entbrannt. Die bedeutende Hafenstadt geriet bei den Gefechten zwischen Regierungstruppen und Separatisten unter Beschuss – wobei auch eine Gaspipeline schwer beschädigt wurde.
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MariupolNach Gefechten im Osten der Ukraine ist die Erdgasversorgung der strategisch wichtigen Hafenstadt Mariupol zusammengebrochen. Der staatliche Gasmonopolist Ukrtransgaz erklärte am Freitag, bei den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und pro-russischen Rebellen sei eine Pipeline getroffen worden. Die Reparaturen dürften bis zu zwei Tage dauern. Auch die Orte Berdjansk und Wolnowacha seien betroffen.

Ministerpräsident Arseni Jazeniuk warf den Aufständischen vor, die Leitung gezielt zerstört zu haben, um Panik in Mariupol zu verbreiten. Der Angriff solle zudem die Fabriken zum Schließen zwingen, damit die Bevölkerung nicht mehr arbeiten könne. „Das gehört zum russischen Plan.“

Der Stahlhersteller Metinvest erklärte, bei zwei seiner Stahlwerke in Mariupol sei die Lage kritisch. Möglicherweise müssten die Hochöfen vorübergehend außer Betrieb genommen werden. In den beiden Anlagen arbeiten zehn Prozent der Bevölkerung von Mariupol.

Die von der Regierung kontrollierte Hafenstadt liegt am Asowschen Meer und unweit der Frontlinie. Sollte die Stadt an die Rebellen fallen, wäre damit ein Teil eines Korridors geschaffen, der von ihren Gebieten zur Halbinsel Krim führen würde. Diese ist von Russland annektiert worden. Die Regierung in Moskau hat Vorwürfe zurückgewiesen, in die Kämpfe direkt einzugreifen.

Aus Protest gegen Moskaus Unterstützung für prorussische Separatisten im Donbass bewarfen Dutzende Demonstranten das russische Konsulat im ostukrainischen Charkow mit Farbbeuteln. Das Außenministerium in Moskau sprach von einer „Provokation“ und forderte von Kiew Ermittlungen sowie Strafen für die Angreifer.

In Moskau bekräftigte Kremlchef Wladimir Putin unterdessen bei einer Rede zum 25. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung Russlands den Widerstand gegen Einflussnahme aus dem Ausland. „Niemandem ist es jemals gelungen und niemandem wird es gelingen, Russland umzucodieren“, sagte der Präsident. Das Riesenreich hatte am 12. Juni 1990 im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion seine Unabhängigkeit erklärt. „Russland hat die schwierigsten Prüfungen würdig bestanden und nur in einem Vierteljahrhundert den Durchbruch zu Demokratie und Marktwirtschaft geschafft“, betonte Putin.

Menschenrechtler kritisierten zuletzt, dass totalitäre Praktiken in Russland stärker würden. Rede- und Meinungsfreiheit sehen sie als bedroht. Erst Ende Mai hatte Putin etwa ein Gesetz unterzeichnet, das Nichtregierungsorganisationen unter Druck setzt. Zudem sehen Beobachter die Ukraine-Politik des Kremls mit Sorge und befürchten eine Neuauflage eines Imperiums im Stile der Sowjetunion.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ostukraine: Hafenstadt Mariupol unter Beschuss"

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  • Wenn man sonst nichts drauf hat............kommt die Troll-Keule aus St. Petersburg.

    Armselig !

  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • und Kiew hat gerade einen bereits durch ein Gericht verurteilten Verbrecher als Bürgermeister eingesetzt, darüber muss doch berichtet werden, oder? Michail Saakaschwili wurde verurteilt wegen u.a. Betruges, Menschenrechtsverbrechen usw.

    Wenn die Krim zu Russland gehörte, wie einige Historiker, Völkerrechler erklären, dann würde dies im Vergleich zum Beitritt der DDR zur BRD bedeuten, dass dann auch der Beitritt der DDR zur BRD völkerrechtswidrig war, vor allem, da ein Referendum der DDR fehlte, aber diesen Beitritt erklären wir nicht als völkerrechtswidrig. Sollte nicht langsam ein Gericht feststellen, ob der Beitritt der Krim, das Referendum der Krim-Bewohner völkerrechtswidrig war oder nicht? Solange kein Gericht die Völkerrechtswidrigkeit feststellt, verstoßen Sie und einige Regierungsmitglieder gegen unser Grundgesetz, gegen das Rechtstaatsprinzip, wenn Sie von rechtswidriger Annexion sprechen-jeder gilt als unschuldig, solange kein Gericht seine Schuld in einem Gerichtsverfahren unter Würdigung aller Beweise rechtskräftig durch Gerichtsurteil feststellt.

    "...der ehemalige französische Altpräsident erklärte: Valéry Giscard d’Estaing hat vorgeschlagen, den Krim-Streit vor den Vereinten Nationen beizulegen. Der frühere französische Staatschef hat bei einem Moskau-Besuch darauf verwiesen, dass die Schwarzmeerhalbinsel historisch „nie ukrainisch“ gewesen sei...„Die Krim war vor mehreren Jahrhunderten von Russland erobert worden und war nie ukrainisch", sagte d’Estaing"

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