Oxfam-Studie
Stopp von Biosprit könnte Millionen ernähren

Laut einer Oxfam-Studie könnte der Verzicht auf Biokraftstoffe in der EU jährlich Millionen ernähren. Die Beimischungsquote sei „in Zeiten einer globaler Ernährungskrise“ fahrlässig, so die Menschenrechtsorganisation.
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BerlinDer Verzicht auf den Anbau von Biokraftstoffen für die EU könnte einer Studie zufolge jährlich die Ernährung von weit über 100 Millionen Menschen sichern. Würde das nötige Land anstatt zur Herstellung von Biosprit für die EU zum Anbau von Weizen und Mais genutzt, könnten von den erzeugten Feldfrüchten 127 Millionen Menschen ein ganzes Jahr satt werden, teilte die Menschenrechtsorganisation Oxfam am Montag in Berlin mit. 90 Prozent der erneuerbaren Energien für Transport und Verkehr in der EU würden aus Grundnahrungsmitteln hergestellt.

„In Zeiten einer globalen Ernährungskrise ist das fahrlässig“, erklärte Oxfam-Geschäftsführerin Marion Lieser. Der Biosprit-Verbrauch in der EU und den USA sei „eine zentrale Ursache für steigende Nahrungsmittelpreise auf den Weltmärkten“. Daneben würden in Anbauländern, etwa in Afrika, Asien oder Lateinamerika, kleinere Bauernhöfe durch Plantagen exportorientierter Biosprit-Hersteller verdrängt. Die EU müsse deshalb die verpflichtende Beimischung von Biokraftstoffen zu herkömmlichem Sprit ganz abschaffen.

Die Dürre in den Sommermonaten in einer Reihe von Ländern wie etwa den USA hat die Kritik an der Nutzung von Ackerflächen für den Anbau von Biokraftstoffen massiv ansteigen lassen. Es wird befürchtet, durch das knappe Angebot von Nahrungsrohstoffen in Folge der Trockenheit könnten die Preise an den Weltmärkten stark steigen, worunter vor allem die Bevölkerung in armen Ländern zu leiden hätte.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Es gibt andere Studien, aus denen hervorgeht, daß der Anteil für Biosprit verschwindend gering ist. Hingegen belastet der Anbau von Tierfutter extrem. Und es müsse sogar noch sehr stark aus dem Ausland hinzugekauft werden, so daß die armen Länder für ihre Bewohner nicht einmal mehr genug für den eigenen Verzehr übrig haben. Ich finde, daß der Fleischverzehr, gerade in Deutschland, exponentiell angestiegen ist, weil die Preise extrem billig sind. Von den Qualen der Tiere in den Massentierhaltungen ganz abgesehen. Meines Erachtens müssten die Fleischpreise deutlich erhöht werden, damit der Fleischkonsum zurückgeht, Massentierhaltungen müssten verboten werden und unsere Bauern müssten einen fairen Fleischpreis erhalten, damit sie die Tiere auch tiergerecht halten können, und so könnten auf sehr vielen
    Ackerflächen Lebensmittel angebaut werden.

  • Jedes Jahr wird die gleiche Sau durchs Dorf getrieben. Ich gestehe den Organisationen gerne zu, dass sie sich Sorgen um das Wohl der Ärmsten dieser Welt machen und ich teile deren Befürchtungen teilweise. Aber:

    1. Steigende Nahrungsmittelpreise sind eher stimulierend auch für die Rentabilität der Bauern in den armen Regionen dieser Welt

    2. Dadurch, dass man in der EU den Anbau von Energiepflanzen verteufelt und die Forderung nach Nutzung dieser Flächen für den Anbau von Lebensmitteln stellt, ist den Bauern und Verbrauchern in Afrika nicht geholfen. Im Gegenteil, damit geht die Nachfrage nach ihren eigenen Produkten zurück.

    3. Und bitte schön, warum hat man mit Einsatz hoher Subventionen die heute für den Anbau von Energiepflanzen genutzten landwirtschaftlichen Flächen vor langer Zeit still gelegt? Weil man sie eben gerade nicht zur Produktion von Lebensmitteln braucht.

    4. Wie lange wollen wir noch zusehen, wie einmalig vorhandene fossile Rohstoffe unwiderruflich für "minderwertige" Einsatzbereiche verbraucht werden? Wir sollten langsam mal daran denken, dass unsere Kinder auch noch Bedarf an petrochemischen Produkten haben werden.

    Also, bitte mal die Diskussion wieder versachlichen. Auch der Einsatz von Energiepflanzen zur Herstellung von Treibstoffen hat eine makroökonomische Rechtfertigung. Und zur Bekämpfung des weltweiten Hungern dient seine Abschaffung in keinster Weise.

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