Oxfam und Ilo: Reiche Reiche, arme Arme

Oxfam und Ilo
Reiche Reiche, arme Arme

Krise hin oder her - reiche Menschen werden immer reicher, die anderen haben das Nachsehen. Die Ergebnisse von Oxfam- sowie Ilo-Studie machen dies deutlich. Die Organisationen fordern entschiedene Maßnahmen.
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Paris/LondonVom kommenden Jahr an wird das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr als die Hälfte des weltweiten Wohlstands besitzen. „Die Kluft zwischen den Reichsten und dem Rest wird schnell tiefer“, erklärte die britische Wohlfahrtsorganisation Oxfam am Montag, zwei Tage vor Eröffnung des alljährlichen Weltwirtschaftsforums in Davos.

Demnach gehörten 2009 44 Prozent des Wohlstands einem Prozent der Weltbevölkerung. Vergangenes Jahr lag der Anteil bei 48 Prozent. 2016 werde er auf mehr als 50 Prozent anwachsen. In der Gruppe der Reichsten habe jeder Erwachsene ein Vermögen von 2,3 Millionen Euro.

Bei ihnen hört das steile Gefälle jedoch nicht auf: Fast das gesamte Resteigentum – 46 Prozent von insgesamt 52 Prozent – liegt laut Oxfam derzeit in den Händen von 20 Prozent der Weltbevölkerung. Den verbliebenen Reichtum von etwa 5,5 Prozent würden sich die übrigen 80 Prozent der Menschheit teilen. „Das Ausmaß der globalen Ungleichheit ist einfach erschütternd“, erklärte die Oxfam-Direktorin Winnie Byanyima.

„Der weltweite Wohlstand ist zunehmend auf eine kleine Elite konzentriert“, heißt es in dem zwölf Seiten starken Ungleichheits-Report, den Oxfam in London veröffentlichte. Die Relation ist nicht ganz neu. Bereits seit Jahren machen Oxfam und andere Menschenrechtsorganisation auf die ungleiche Verteilung des Vermögens und die daraus resultierenden Gefahren aufmerksam.

Für das Jahr 2013 hatten die Menschenrechtler etwa errechnet, dass 92 Multi-Milliardäre genauso viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen - das sind mehr als 3,5 Milliarden Menschen. Im Jahr 2015 werden es nur noch 80 sein, obgleich die Weltbevölkerung zunimmt.

Das Vermögen der Top 80 stieg seit 2010 von 1,3 auf 1,9 Billionen Dollar. Auch regional sei der Reichtum ungleich verteilt. Fast ein Drittel der auf der Forbes-Liste aufgeführten 1645 Milliardäre weltweit haben einen US-amerikanischen Pass oder leben in den Vereinigten Staaten.

Auch die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in Genf warnt in einer neuen Studie vor einer Zunahme der Ungleichverteilung. Das weitere Anwachsen der Kluft zwischen Arm und Reich sei besorgniserregend. Im globalen Durchschnitt würden mittlerweile bis zu 40 Prozent aller Einkommen auf die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung entfallen. Hingegen kämen die ärmsten zehn Prozent insgesamt nur auf zwei Prozent der weltweiten Einkommen.

Während die Einkommensunterschiede in Entwicklungsländern seit langem besonders groß seien, nähmen sie inzwischen auch in den Industriestaaten immer stärker zu. Die ILO - Sonderorganisation der UN, warnte vor einer weiteren Zunahme der Arbeitslosen von derzeit 201 Millionen auf 212 Millionen Menschen im Jahr 2019. Besonders stark seien Jugendliche betroffen. Fast 74 Millionen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren seien 2014 vergeblich auf der Suche nach Arbeit gewesen. Den Hauptgrund sieht die ILO darin, dass das Wirtschaftswachstum bislang in fast keinem Land wieder das Niveau vor dem Ausbruch der Finanzkrise vor sechs Jahren erreicht hat. Wirtschaftliches Wachstum sollte mehr unterstützt werden.

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  • Herr Stoiber, Sie sprechen eine andere Sprache und Ihre Wahrnehmung ist verzerrt. Wir Deutschen gehören in der Tat (natürlich immer im statistischen Durchschnitt gesehen) zu den reichsten Nationen der Welt. Ein Harz IV Satz würde die Überwiegende Mehrheit der Bevölkerung Asiens und Afrikas, ja sogar Lateinamerikas traumhaft vorkommen. Wenn Sie mal nach Cuba, Argentinien oder Mexico reisen lernen Sie schnell Demut ob der Armut die dort herrscht. Daher sind diese Zahlen definitiv repräsentativ.

  • Dann nennen Sie doch mal eine Quelle. Wenn ich nach "income world" google, erhalte ich jede Menge Ergebnisse in derselben Größenordnung; z. B. http://www.dailymail.co.uk/news/article-2082385/We-1--You-need-34k-income-global-elite--half-worlds-richest-live-U-S.html

    Natürlich können Sie gern neidisch auf Ihren deutschen Nachbarn sein. Das ändert aber nichts daran, dass es Ihnen besser geht als vielen afrikanischen Dörfern zusammen...

  • Die verzerrte Wahrnehmung hatte ich vermutet.

    Die von Ihnen referenzierte Quelle weist ein Jahreseinkommen von 12000 EURO (1000/Monat) als Mitglied der reichsten 11,4% der Weltbevölkerung aus.

    Was für eine Quelle!

    Für einen Deutschen, darf ich Ihnen sagen, sprechen Sie damit eine andere Sprache!

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