Pakistan
Bhutto-Witwer wird zum Königsmacher

Asif Ali Zardari winkt nach der Parlamentswahl in Pakistan die Rolle des Königsmachers. Der Witwer der ermordeten Oppositionsführerin Benazir Bhutto durfte wegen einer Reihe von Gerichtsverfahren nicht kandidieren. Aber in dynastischer Tradition fiel dem 51-jährigen die Führung der Pakistanischen Volkspartei (PPP) zu.

NEU DELHI. Bestätigen sich die Auszählungstrends, dürfte die PPP als stärkste Partei den Premierminister stellen. Als politischer Trittbrettfahrer profitiert Zardari nach dem „Märtyrertod“ seiner charismatischen Frau von einer Sympathiewelle, die ihm selbst versagt geblieben wäre. „Er wird nie richtig populär“, meint ein Diplomat. Während Bhuttos zwei Amtszeiten war ihr Mann als „Mister zehn Prozent“ berüchtigt, weil er sich Anteile an Staatsaufträgen gesichert haben soll.

Der clevere politische Strippenzieher stammt aus einer reichen Großgrundbesitzer-Dynastie und gehört zu Pakistans Establishment. Er galt als Playboy, bevor er in arrangierter Ehe in den Bhutto-Clan einheiratete. Mit Nawaz Sharif verbindet ihn eine intime Feindschaft, die nicht nur politischer Rivalität geschuldet ist. In Sharifs Regierungszeit wurden die Bhuttos wegen Korruption vor Gericht gebracht. Benazir floh ins Exil. Ihr Mann verbrachte acht Jahre im Gefängnis. In der Schweiz laufen noch immer Ermittlungen gegen ihn wegen Geldwäsche.

Nawaz Sharif geht als Überraschungssieger aus der Wahl hervor, auch wenn seine Partei knapp hinter Zardaris PPP liegt. Umfragen hatten der Nawaz-Liga einen viel deutlicheren Rückstand prophezeit. Aber die Wähler honorierten Sharifs Prinzipienfestigkeit, dank der er sich als derzeit glaubwürdigster Demokrat des Landes profilieren konnte. Anders als Zardari hält er sich kein Hintertürchen offen für einen Kompromiss mit Präsident Pervez Musharraf und fordert dessen bedingungslosen Rückzug aus der Politik. Aber auch Sharif ist eiskalter Machtpolitiker. Um bei islamischen Wählern zu punkten, setzte sich der Chef von Pakistans ältester säkularer Partei zum Beispiel einst ohne Skrupel für die Einführung der Scharia ein, der islamischen Rechtssprechung.

Wie Bhutto war Sharif zweimal Premierminister, und wie bei seiner ehemaligen Rivalin blieben von seinen Amtszeiten vorwiegend Regierungschaos, Korruption und ökonomisches Missmanagement in Erinnerung. Der 57-Jährige ist Spross einer reichen Unternehmerdynastie. Gegen Musharraf hegt er einen unversöhnlichen Groll, seit ihn der Armeechef 1999 aus dem Amt putschte. Der General ließ seinen Widersacher danach wegen Unterschlagung, Steuerhinterziehung und Hochverrat zu lebenslänglicher Haft verurteilen. Im Gegenzug für seine Freilassung stimmte Sharif dem Gang ins Exil zu. Dieses beendete Musharraf erst im November unter internationalem Druck. Wegen seiner Strafvergan-genheit durfte Sharif bei der Wahl jedoch nicht kandidieren.

Pervez Musharraf kämpft seit fast einem Jahrzehnt mit allen Mitteln um die Macht. Seine Absetzung als Armeechef durch den damaligen Premier Sharif beantworte er 1999 mit einem unblutigen Putsch. Sein Versprechen „echte Demokratie“ sowie Recht und Ordnung wieder-herzustellen und die darbenden Wirtschaft anzukurbeln weckte zunächst bei vielen politikmüden Bürgern Hoffnungen. Inzwischen sehen ihn die meisten als Belastung für das Land. Das zeigt das Wahldesaster seiner politischen Alli-ierten.

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