Pakistan
Blutiger Sturm auf die „Rote Moschee“

Der tagelange Nervenkrieg um die „Rote Moschee“ in Islamabad hat in einem Blutbad geendet. Pakistanische Soldaten stürmten am Dienstagmorgen das Gelände des sunnitischen Gotteshauses und lieferten sich heftige Feuergefechte mit militanten Kämpfern. In Berichten ist von Dutzenden von Toten die Rede.

HB ISLAMABAD. General Waheed Arshad, ein Sprecher der pakistanischen Streitkräfte, sagte am Dienstagmorgen deutscher Zeit, bisher seien etwa 40 Islamisten ums Leben gekommen. Auch seien mindestens drei Soldaten getötet und 15 weitere verletzt worden. In unbestätigten Berichten war von bis zu 70 Todesopfern unter den Extremisten die Rede.

Die Truppen waren nach dem Scheitern eines Vermittlungsversuchs islamischer Geistlicher am Morgen von drei Seiten auf das Gelände des seit einer Woche besetzten Gebetshauses vorgedrungen und übernahmen laut Arshad schnell die Kontrolle über den Hauptraum im Erdgeschoss. Inzwischen hat das Militär nach eigenen Angaben 70 Prozent des Areals unter Kontrolle. Armeesprecher Arshad erklärte nach Beginn des Militäreinsatzes, wer sich jetzt ergebe, werde festgenommen, alle anderen würden als feindliche Kämpfer betrachtet und getötet.

Die Radikalen hatten sich vor einer Woche auf dem festungsartigen Gelände verschanzt, nachdem sie schätzungsweise 150 Zivilisten - darunter viele Frauen und Kinder - in ihre Gewalt gebracht hatten. Sie zogen sich laut Arshad nunmehr ins Untergeschoss des Gotteshauses zurück.

Nun rückten die Sicherheitskräfte weiter vor, um die Frauen und Kinder zu retten, die sich noch in der Gewalt der Islamisten befinden, sagte der Armeesprecher. „Wir kommen nur langsam voran, weil die Militanten Kinder als menschliche Schutzschilde missbrauchen und heftigen Widerstand mit Gewehren, Granaten und Brandbomben leisten“. Etwa 20 Kindern sei während des Einsatzes die Flucht gelungen. 24 Islamisten wurden den Angaben zufolge festgenommen.

Abdul Rashid Ghazi sagte dem Fernsehsender Geo TV, die Regierung gehe mit aller Gewalt vor, was „nackte Aggression“ sei. „Mein Märtyrertum ist nun sicher“, erklärte Ghazi. Nach seinen Angaben leisteten etwa 30 seiner Anhänger Widerstand, doch stünden ihnen lediglich 14 Sturmgewehre vom Typ Kalaschnikow zur Verfügung. Ghazi hatte einen „Kampf bis zum Märtyrertod“ angekündigt. Bei Kämpfen zwischen den Islamisten und Soldaten waren in den vergangenen Tagen mindestens 21 Menschen getötet worden.

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