Pakistan
Der Mut der Männer in Schwarz

Aufstand der Juristen: Pakistans Anwälte und Richter protestieren seit Monaten gegen Machthaber Pervez Musharraf und kämpfen für Demokratie und Freiheit. Bei der Parlamentswahl am Montag hoffen sie auf einen Sieg der Opposition und damit auf eine Amtsenthebung des Staatschefs.

ISLAMABAD. Schwarze Bände mit goldenen Waagen auf den Buchrücken, drei Wände voll. Mittendrin: ein grünes Rohrgestellbett, von dem die Farbe abblättert. Der neue Bewohner dieser juristische Bibliothek hat die Decke auf dem Bett zurückgeschlagen. Verschlafenen Blickes kommt er im Unterhemd ins Zimmer, ein Handtuch in der Hand. Er zieht sich sein Dischdascha-Gewand über und befiehlt dem ungebetenen Besucher barsch: „Follow me!“

Der Benutzer der Stahlpritsche ist der neue Hausherr. Er führt den Besucher durch das Stahltor hinaus, vor die Front der zweistöckigen Villa aus sandfarbenen Quadern.

„Sie müssen sich eine Genehmigung beim Gefängnischef von Islamabad einholen oder vom Innenminister der Provinz Punjab“, sagt er noch. Nun ist er selbstsicherer, da ihn vor dem Anwesen zwei Polizisten mit Gewehren verstärken. „Wir lassen hier niemanden ohne Genehmigung herein. Entschuldigung dafür, aber wir haben strikte Anordnungen.“

Hilflos muss Tariq Mahmood, der eigentliche Hausherr, von der oberen Etage aus mit ansehen, wie der junge Mann vom pakistanischen Geheimdienst das Hausrecht ausübt.

Mahmood, Richter a.D. und Vorsitzender der Anwaltskammer an Pakistans Oberstem Gerichtshof, ist Gefangener im eigenen Haus. Seit dem 3. November steht der 57-Jährige unter Hausarrest. Warum? „Das weiß ich selbst nicht“, erzählt Mahmood am Telefon – es ist der einzige Weg, ihn noch zu erreichen. „Ich bin doch nicht einmal ein Oppositionskandidat bei der Wahl am Montag.“

Seit Monaten erlebt Pakistan einen Aufstand der Juristen: Anwälte und Richter sind es, die an der Spitze der Bewegung für Demokratie und Freiheit stehen – und damit gegen Präsident Pervez Musharraf streiten, der sich 1999 an die Macht putschte. Die Juristen setzen nun auf die Parlamentswahl am Montag: Erobern die Oppositionsparteien eine Zweidrittelmehrheit, könnte das Parlament ein Amtsenthebungsverfahren gegen den autoritär regierenden Musharraf einleiten. Das jedenfalls hoffen Männer wie Tariq Mahmood.

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