Pakistan
Der neue Mann für die Epauletten

Viele Pakistani wollen an der Spitze ihres Staates endlich einen Mann ohne Uniform sehen. Und so hat der bisherige Armeechef und Präsident Pervez Musharraf angekündigt, nach der angestrebten Wiederwahl die Epauletten abzuknöpfen. Sein Nachfolger soll General Ashfaq Parvez Kayani werden – genau das Gegenteil von Musharraf.

ISLAMABAD. Dass sich General Pervez Musharraf gern einmal – ganz unislamisch – ein Glas Whisky gönnt oder mit seinem Hund spielt, was Moslems als unrein gilt, hat der Staatschef in Uniform schon zugegeben. Das aber ist nicht der Hauptgrund für die wachsende Unbeliebtheit des bisherigen Armeechefs und Präsidenten: Vielmehr wollen viele Pakistani an der Spitze ihres Staates endlich einen Mann ohne Uniform sehen. Und so hat Musharraf gegenüber dem Obersten Gericht und auch im pakistanischen TV-Sender Geo angekündigt, dass er nach seiner für Samstag angestrebten Wiederwahl und noch vor seiner für den 15. November geplanten Vereidigung die Epauletten abknöpfen und den Posten des Armeechefs abgeben wird.

Musharrafs Nachfolger soll dann nach seinem Willen General Ashfaq Parvez Kayani werden. Dass von dem zweifachen Familienvater weder Trinkgewohnheiten noch Haustiere, sondern nur seine Liebe zum Golfsport als Präsident von Pakistans Golf-Assoziation bekannt sind, darf nicht weiter beunruhigen. Schließlich stand Kayani bis vor kurzem dem berüchtigten Geheimdienst Inter-Services Intelligence (ISI) vor. Und ISI wird nicht nur äußerste Brutalität bei Verhören oder das Verschwindenlassen von Oppositionellen vorgeworfen. Es verwundert politische Beobachter in Islamabad aber, dass Kayani nicht dem engsten Zirkel um Musharraf entspringt und nicht einmal in dem Standardwerk „Military Inc.“ über Pakistans Armee und ihre Wirtschaftsstrukturen vorkommt.

Vielleicht liegt es daran, dass Kayani das Gegenteil von Musharraf ist: Nicht aufbrausend und laut. Der Kettenraucher wird als geduldig, sorgfältig, intelligent und entschlossen beschrieben, eben als „stiller General“. Sein rasanter Aufstieg gilt als „extraordinär“: Er stammt aus der Jhelum-Provinz des Punjab, Pakistans größtem Bundesland. Doch in Jhelum wächst nur ein Produkt – Soldaten. Und so ging der Spross aus einem der wichtigsten Familienclans der Gegend gleich in jungen Jahren auf die örtliche Kadettenschule, durchlief mehrere Militärschulen bis hin zum Generalstabs-College in Fort Leavenworth in den USA.

Doch ganz im Gegensatz zu seiner ruhigen Art, beschreiben pakistanische Medien den künftigen obersten Militär in einem schon vielfach nach Militärputschs von Generälen beherrschten Land als äußerst entschlossen und exzellenten Fachmann: So sei es ihm zu verdanken, dass er 2001 bis 2002 als Generaldirektor für Militäroperationen einen dramatischen Konflikt mit dem Nachbarn Indien nicht in einen Krieg ausarten ließ. Acht Monate lang standen sich die Truppen beider Länder bis an die Zähne bewaffnet damals gegenüber, nach einem neuerlichen Konflikt in der von beiden Staaten beanspruchten Kaschmir-Provinz.

Für Kayani als Armeechef spricht zudem, dass er schon einmal der möglichen künftigen Premierin Benazir Bhutto gedient hat, als Vizeverteidigungsminister. Dagegen sprächen laut der „Daily Times“ allerdings zwei Gründe: Noch nie sei ein früherer ISI-Chef auf den obersten Kommandoposten aufgerückt. Und: Musharraf habe schon einmal versprochen, seine Uniform als Präsident abzulegen. Es dann aber eben nicht gemacht.

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