Pakistan
Taliban-Chef von US-Drohne getötet

Hakimullah Mehsud, seines Zeichens Anführer der Pakistanischen Taliban, ist durch einen US-Drohnenangriff ums Leben gekommen. Aus Angst vor Anschlägen wurden in Pakistan die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt.
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Dera Ismail KhanDer Chef der pakistanischen Taliban, Hakimullah Mehsud, ist nach offiziellen Angaben aus Pakistan bei einem US-Drohnenangriff getötet worden. Das teilten Sprecher sowohl des pakistanischen Militärs als auch der Taliban am Freitagabend mit. „Ich kann seinen Tod bestätigen“, sagte ein Mitglied der Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) am Abend der Nachrichtenagentur dpa in Islamabad. Die pakistanischen Behörden verstärkten aus Angst vor Anschlägen die Sicherheitsvorkehrungen an öffentlichen Gebäuden, Plätzen und Bahnhöfen.

Eine Bestätigung aus Washington gab es zunächst nicht. US-Regierungssprecher Jay Carney verweigerte jeden Kommentar über operative Dinge. Die USA hatten ein Kopfgeld von bis zu fünf Millionen Dollar auf den Taliban-Führer ausgesetzt.

Mehsud wurde den Berichten zufolge mit drei weiteren Taliban in einem Versteck im Nordwesten des Landes aufgespürt. Eine Drohne feuerte demnach vier Raketen auf den Unterschlupf der Extremisten. Dabei seien mindestens zwei weitere führende Mitglieder der Tehrik-e-Taliban Pakistan ums Leben gekommen. Die Taliban sprachen später von insgesamt fünf Toten bei dem Angriff.

Mehsuds Stellvertreter Wali ur Rehman war bereits Ende Mai bei einem Drohnenangriff im Grenzgebiet zu Afghanistan ums Leben gekommen. Auch sein Vorgänger Baitullah Mehsud war 2009 bei einem ähnlichen Angriff getötet worden.

Der heute rund 30 Jahre alte Hakimullah Mehsud galt als kampferprobter und skrupelloser Gotteskrieger. Unter seiner Führung soll die Tehrik-e-Taliban Pakistan unter anderem Angriffe gegen Nachschubkonvois für die US- und Nato-Soldaten in Afghanistan verübt haben. Im August 2007 soll er die Entführung von knapp 300 Regierungssoldaten in Süd-Waziristan angeführt haben. Auch für Anschläge auf zivile Ziele wurde er verantwortlich gemacht.

In den vergangenen Tagen hatten sich Anzeichen für Friedensverhandlungen mit den pakistanischen Taliban gemehrt. Premierminister Nawaz Sharif hatte am Mittwoch in London Medienberichten zufolge gesagt, die Gespräche hätten bereits begonnen. Der Sprecher TTP, Shahidullah Shahid, bestätigte die Kontakte zunächst nicht. Ein Taliban-Kommandeur sagte der dpa, die Regierung habe durch Geistliche Verbindung aufgenommen.

Informationsminister Pervaiz Rashid sagte, seine Regierung setzte weiter auf Friedensgespräche. Innenminister Chaudhry Nisar Ali Khan nannte den Drohnenangriff einen Versuch, die geplanten Gespräche zu „sabotieren“.

Frühere Versuche, die Gewalt in Pakistan durch Verhandlungen zu beenden, sind stets erfolglos geblieben. Die pakistanische Regierung macht Extremisten-Gruppen wie die TTP für den Tod von 40 000 Menschen verantwortlich.

Die USA flogen seit 2004 fast 400 Angriffe mit ferngesteuerten unbemannten Fluggeräten in Pakistan. Nach Angaben einer britischen Vereinigung für investigativen Journalismus kamen dabei bis zu 3600 Menschen um, darunter - basierend auf lokalen Medienberichten - zwischen 416 und 948 Zivilisten. Die pakistanische Regierung lehnt die Angriffe offiziell ab, auch wegen der vielen zivilen Opfer. US-Präsident Barack Obama hatte im Frühjahr nach heftiger Kritik zugesagt, die Einsätze einzuschränken.

Viele der Angriffe konzentrieren sich auf Nord-Waziristan. Die de facto gesetzlose Stammesregion ist seit langem eine Extremisten-Hochburg, wo sich neben den pakistanischen auch afghanische Taliban sowie Al-Kaida-Mitglieder aufhalten. Die schwer zugängliche Gebirgsregion gilt als wichtiges Rückzugsgebiet für Islamisten, die im benachbarten Afghanistan Krieg gegen die USA führen. In Pakistan war auch Al-Kaida-Chef Osama bin Laden untergetaucht, bis er dort 2011 von einem US-Sonderkommando erschossen wurde.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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