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05.09.2008 
Bhutto-Witwer mit besten Chancen

Pakistan wählt – und hofft auf Ruhe

von Oliver Müller

Der Witwer von Benazir Bhutto Asif Ali Zardari hat beste Chancen, neuer Präsident zu werden. Er muss Gewalt und Wirtschaftskrise stoppen und sieht sein Land an der Seite der USA und Großbritanniens: "Dieser Krieg ist unser Krieg."

Zardari geht als Favorit in die Wahl. Foto: APLupe

Zardari geht als Favorit in die Wahl. Foto: AP

DELHI. Ab morgen muss ein neuer Präsident das von Terror und einer Wirtschaftskrise geschüttelte Pakistan zusammenhalten. Asif Ali Zardari hat beste Chancen, zum Staatsoberhaupt gewählt zu werden. Unterstützung von Regionalparteien sichert dem Chef der Pakistanischen Volkspartei (PPP) genügend Stimmen im Parlament. Geht seine Rechnung wie erwartet auf, manövriert der Witwer der ermordeten Ex-Premierministerin Benazir Bhutto seinen Erzrivalen Nawaz Sharif und dessen Moslemliga gleich mehrfach aus.

Mit Präsident, Premier und Parlamentssprecher kontrolliert die PPP dann die wichtigsten Verfassungsorgane. Auch die Justiz braucht Zardari nicht mehr zu fürchten: Als Präsident genießt der von Korruptionsvorwürfen verfolgte Politiker Immunität. Ganz anders Sharif: Ein alter Korruptionsprozess gegen ihn wurde diese Woche neu belebt - genau an dem Tag, an dem er Interesse an einer Kandidatur für das Parlament bekundete. Viele sehen das als politischen Schachzug: "Das neue Verfahren verhindert Sharifs Kandidatur und wird ihn noch mehr gegen Zardari verbittern", kommentiert die Zeitung "Dawn".

Die Präsidentenwahl vollendet den Machtwechsel vom langjährigen Militärherrscher Pervez Musharraf zu Zivilisten. Das politische Chaos, das die Atommacht lähmt, ist damit aber nicht beendet. Gestern verprügelten Polizisten vor dem Parlament demonstrierende Anwälte - genau wie zu Musharrafs Zeiten. Die Juristen fordern wie Sharif die Wiedereinsetzung aller von Musharraf entlassenen Richter. An dieser Frage zerbrach Sharifs Bündnis mit Zardari.

Zwar verspricht Sharif, auch in der Opposition alles zu vermeiden, was die junge Demokratie destabilisieren könnte. "Aber beide Lager sind voll auf Konfrontationskurs", leitartikelt die Zeitung "Nation". Sie sieht das Gespenst der 90er-Jahre zurückkehren. Damals drängten sich Volkspartei und Moslemliga ständig gegenseitig aus der Regierungsverantwortung, mit Massenprotesten, Generalstreiks und Palastrevolten.

Weitere Instabilität kann sich Pakistan kaum leisten. Die Inflation ist auf ein 30-Jahres-Hoch geschnellt, der Wirtschaft droht der Kollaps, und eine Terrorwelle schwappt von den rechtsfreien Grenzprovinzen in die Metropolen. Die Gefahr bekam Premier Yousuf Raza Gilani gerade zu spüren: Sein Dienstwagen wurde am Mittwoch von Schüssen getroffen. "Extremisten wollen das Land verunsichern", erklärte Informationsministerin Sherry Rehman gestern.

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