Palästina
Fatah erklärt Hamas zum Wahlsieger

Die radikalislamische Organisation Hamas soll nun doch Sieger der palästinensischen Parlamentswahl sein. Mitglieder der Fatah-Partei von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gestanden laut Meldungen von Nachrichtenagenturen ihre Niederlage ein. Die Bekanntgabe des offiziellen Ergebnisses wurde allerdings erst einmal verschoben.

HB RAMALLAH. „Ich glaube, dass die Hamas eine Mehrheit der Sitze im Parlament hat“, sagte Kadura Fares, bisher Parlamentsabgeordneter der Fatah und früherer Minister. Auch Hamas-Vertreter erklärten sich am Donnerstag zum Gewinner der Wahl.

Die Hamas beansprucht eine absolute Mehrheit im neuen palästinensischen Parlament. Spitzenkandidat Ismail Hanijeh erklärte, die Hamas habe mindestens 75 der 132 Sitze gewonnen. Mehr als die Hälfte der Stimmen sei ausgezählt. Zuvor hatte auch Hamas-Anführer Adnan Asfur aus Nablus im Westjordanland gesagt, seine Bewegung habe "mehr als fünfzig Prozent der Abgeordnetensitze gewonnen".

Prognosen nach der ersten Parlamentswahl seit zehn Jahren hatten am Mittwochabend noch einen knappen Vorsprung der Fatah in dem 132 Sitze zählenden Abgeordnetenhaus verzeichnet. Die palästinensische Wahlkommission verschob die Bekanntgabe des offiziellen Ergebnisses der Parlamentswahl auf Donnerstagabend. Ein Grund dafür wurde nicht genannt. Ursprünglich sollten die Ergebnisse um 8 Uhr Uhr MEZ veröffentlicht werden, als neuer Zeitpunkt wurde 18 Uhr MEZ festgelegt.

Israel und die USA reagierten mit Enpörung auf die Meldungen eines möglichen Hamas-Sieges. Der amtierende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hatte erklärt, Israel könne eine Beteiligung der Hamas an der palästinensischen Regierung nicht akzeptieren.

US-Präsident George W. Bush bekräftigte sein grundsätzliches Nein zu Gesprächen mit der Hamas. Bush sagte dem „Wall Street Journal“: „Eine politische Partei bekennt sich zum Frieden.“ Ein Sprecher des US-Außenministeriums fügte hinzu, die Entscheidung über das Kabinett und die künftige Politik liege bei den palästinensischen Vertretern. Es gelte nach wie vor die Forderung, die Hamas so lange von der Regierung auszuschließen, solange sie der Gewalt nicht abschwöre und Israels Existenz akzeptiere.

Palästinenserpräsident Abbas sagte indes, er hoffe, dass die Friedensgespräche auch dann weitergingen, wenn die Hamas der Regierung beiträten. Er setze auf die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft.

Die Hamas wird von den USA und der Europäischen Union (EU) als Terror-Gruppe betrachtet. Sie gehört zu den gewalttätigen Gruppen unter den Palästinensern, deren Entwaffnung die internationale Gemeinschaft als Voraussetzung für Fortschritte im Friedensprozess fordert. Die Hamas kämpft für eine Zerstörung Israels und hat in den vergangenen Jahren fast 60 Selbstmordattentate verübt. Den Prognosen zufolge hat sie bei der Wahl am Mittwoch bis zu 44 Prozent erhalten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%