Palästina
Israeli tot, Hamas-Minister festgenommen

Die Lage in den Palästinensergebieten hat sich in der Nacht zum Donnerstag erheblich zugespitzt: Israelische Soldaten nahmen auf der Suche nach einem verschleppten Kameraden zahlreiche Hamas-Abgeordnete und Regierungsmitglieder fest. Die Suche nach einem entführten israelischen Siedler musste eingestellt werden: Er ist tot.

HB RAMALLAH/GAZA. Am frühen Donnerstagmorgen nahmen israelische Truppen im Westjordanland nach palästinensischen Angaben 20 Hamas-Abgeordnete sowie 7 Minister der Hamas-Regierung in Gewahrsam. Berichte, wonach auch Vizeministerpräsident Nasser Schaer betroffen war, stellten sich später als falsch heraus. Israelische Medien berichteten von Razzien gegen Hamas-Abgeordnete auch in Jerusalem und weiteren Orten.

Die in der Nacht zum Donnerstag festgenommenen Politiker könnten möglicherweise gegen den entführten israelischen Soldaten ausgetauscht werden, berichtete der Armeerundfunk. Tausende israelische Soldaten waren bereits am Mittwoch auf der Suche nach ihrem Kameraden in den Gazastreifen vorgedrungen.

Auch im Gazastreifen verstärkte Israel seine Offensive. Augenzeugen berichteten am Donnerstagmorgen von einem Panzervorstoß im Norden nahe dem Flüchtlingslager Dschebalja. Die israelischen Streitkräfte wiesen die Berichte jedoch zurück.

Ein im Westjordanland verschleppter israelischer Siedler wurde unterdessen erschossen aufgefunden. Zur Ermordung des 18-Jährigen bekannten sich das militanten Volkswiderstandskomitee. Aus israelischen Sicherheitskreisen hieß es, Eliahu Ascheri sei in den Kopf geschossen worden. Vermutlich sei der Jugendliche schon am Sonntag getötet worden, kurz nach seiner Entführung. Seine Leiche sei nahe Ramallah gefunden worden.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat erklärt, zur Befreiung des 19-jährigen entführten Soldaten Gilad Schalit werde seine Regierung auch vor „extremen Aktionen“ nicht zurückschrecken. Der Militäreinsatz ist die erste Bodenoffensive im Gazastreifen seit dem Abzug israelischer Truppen aus dem Autonomiegebiet im September.

Am frühen Donnerstagmorgen feuerte ein israelischer Kampfjet Raketen in Chan Junis im Süden des Gazastreifens ab. Verletzt wurde offenbar niemand. Die israelischen Streitkräfte erklärten, insgesamt seien drei Luftangriffe geflogen worden. Ziel seien Straßen gewesen, um den Bewegungsspielraum der Entführer des israelischen Soldaten einzuschränken.

Auch die islamische Universität von Gaza geriet nach Berichten von Augenzeugen unter Beschuss. Eine von einem israelischen Kampfjet abgefeuerte Rakete habe ein Loch in einen Hof innerhalb des Universitätsgeländes geschlagen, hieß es. Die 60 Wachleute wurden evakuiert. Nach Angaben der israelischen Streitkräfte schlug eine Rakete in ein freies Feld neben der Hochschule ein.

Flugzeuge warfen über mehrere Dörfer Flugblätter ab. Darin wurde die Bevölkerung aufgerufen, Orte zu meiden, in denen die Streitkräfte vorrücken könnten.

UN-Generalsekretär Kofi Annan rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Er forderte zudem den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas sowie Syrien auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die Freilassung des verschleppten israelischen Soldaten zu erreichen.

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