Palästinenser akzeptieren Waffenruhe
Hoffnungsschimmer für Nahost

Ungewohnt positiv klingen in den letzten Tagen die Nachrichten aus Nahost: Erstmals haben sich die radikalen Palästinensergruppen Hamas und Dschihad sowie die Fatah-Bewegung zu einer dreimonatigen Waffenruhe bereit erklärt und die israelische Armee zieht sich als erster Schritt aus den besetzten Gebieten des Gazastreifens zurück.

dpa TEL AVIV. Auch ein Rückzug aus Bethlehem wird innerhalb weniger Tage erwartet. Trotz dieser hoffnungsfrohen Anzeichen bleibt auf beiden Seiten eine gehörige Portion Skepsis. Zu tief sind die Wunden, die sich Israelis und Palästinenser während der rund 1000 Tage der „Intifada“ geschlagen haben, und das gegenseitige Misstrauen.

„Waffenruhe im Test“, titelte die auflagenstärkste israelische Zeitung „Jediot Achronot“ am Montag zurückhaltend. Die regierungsnahe „Maariv“ zeigte sich optimistischer: Das Titelblatt schmückte ein Foto von zwei sich heftig umarmenden und erleichtert wirkenden israelischen Soldaten nach dem Abzug aus der vor sechs Wochen wiederbesetzten Ortschaft Beit Chanun im Norden des Gazastreifens. „Vielleicht klappt es diesmal“, steht daneben.

Israelische Kommentatoren befassten sich am Montag vor allem mit der Frage, ob die Waffenruhe („Hudna“) Aussicht auf Bestand hat. Der israelische Militärgeheimdienst geht davon aus, dass gerade die Hamas-Bewegung, die für die blutigsten Selbstmordanschläge in Israel in den vergangenen zehn Jahren verantwortlich ist, die Waffenruhe am konsequentesten in den eigenen Reihen durchsetzen kann. Die Gruppe gilt als sehr strikt hierarchisch organisiert und diszipliniert. Auch von der kleineren und noch radikaleren Dschihad-Organisation wird Ähnliches erwartet.

Israelische Haltung zur Waffenruhe ist ein Stolperstein

Sorgen bereiten den Militärs hingegen die im Westjordanland

versprengten und weitgehend unabhängig agierenden Fatah-Zellen. Sie werden sich möglicherweise nicht an die Waffenruhe halten und weiter Anschläge verüben. Die Fatah-Splittergruppe Al Aksa-Brigaden und die radikale Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) haben auch verkündet, dass sie nicht zur Niederlegung der Waffen bereit sind.

Ein weiterer Stolperstein ist die grundsätzlich ablehnende israelische Haltung zur Waffenruhe. Dahinter steckt der Argwohn, dass die Extremistengruppen sich in Wirklichkeit nur eine Atempause verschaffen wollen. Deshalb besteht Israel auf der vollständigen Entwaffnung der Organisationen Hamas und Dschihad. Da die Palästinenserführung dies offenbar nicht beabsichtigt, kämen neue israelische Militäraktionen gegen „tickende Bomben“ nicht überraschend. Dies wiederum würde den Militanten den Vorwand für eine Aufhebung der Waffenruhe und neue Anschläge liefern. Der Kreislauf des Blutvergießens käme sofort wieder in Schwung.

Eine wichtige Veränderung, die politische Beobachter vorsichtig optimistisch stimmt, ist aber die offensichtlich Entschlossenheit der USA, sich vor Ort für eine Umsetzung des internationalen Friedensplans einzusetzen. Im Abstand weniger Tage schickte US- Präsident George W. Bush Außenminister Colin Powell und Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice in die Region, um immer wieder auf eine Verwirklichung des „Nahost-Fahrplans“ zu pochen.

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