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15.05.2008 
Jahrestage

Palästinenser gedenken der Vertreibung

Die Palästinenser haben am Donnerstag der Flucht und Vertreibung hunderttausender Palästinenser im ersten Krieg nach der israelischen Staatsgründung vor 60 Jahren gedacht. Zehntausende schwarze Luftballons verdunkelten den Himmel über Jerusalem.

Kinder in Ramallah zeigen Plakate des verstorbenen PLO-Chefs Jassir Arafat. Foto: apLupe

Kinder in Ramallah zeigen Plakate des verstorbenen PLO-Chefs Jassir Arafat. Foto: ap

HB RAMALLAH. Mit Demonstrationen und Märschen im Westjordanland und im Gazastreifen erinnerten die Palästinenser an den Heimatverlust von etwa 700 000 Menschen im Jahre 1948, den die Palästinenser „Nakba“ nennen. Das bedeutet Katastrophe.

Die palästinensische Forderung nach einem „Recht auf Rückkehr“ der Flüchtlinge und ihrer Nachkommen in ihre Heimatorte, das Israel bislang verweigert, ist einer der Hauptstreitpunkte bei den Friedensverhandlungen beider Seiten.

Mit ihren Nachkommen ist die Zahl der Vertriebenen laut Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) bis heute auf mehr als 4,5 Millionen angestiegen. Etwa ein Drittel von ihnen lebt immer noch in Flüchtlingslagern.

Am Mittag heulten in den Palästinensergebieten zwei Minuten lang zum Gedenken an die „Nakba“ die Sirenen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sagte in einer Fernsehansprache, man begehe den Tag, um an den „langen und glorreichen Kampf“ des palästinensischen Volkes zu erinnern, „dessen Leid und Schmerz noch nicht zu Ende ist“.

Abbas sagte: „In diesem geliebten Land begehen zwei Völker Jahrestage, eines den seiner Unabhängigkeit und das andere den seines Leids.“

Nur ein Ende der israelischen Besatzung könne Sicherheit für die Region bringen, betonte der Präsident. „Unsere Hand ist immer noch zum Friedensschluss ausgestreckt“, sagte Abbas. Das Ziel der Verhandlungen sei ein „umfassender Frieden, ein Ende der Besatzung und die Einrichtung eines unabhängigen Staates in den Grenzen von 1967 mit Jerusalem als seiner Hauptstadt“.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Schwarze Luftballons verdunkeln den Himmel über Jerusalem

Insgesamt 22 000 schwarze Luftballons – einen für jeden Tag seit der israelischen Staatsgründung – wurden losgelassen, um den Himmel über dem nahe gelegenen Jerusalem zu verdunkeln. Dies sollte die Trauer und das Leiden der Palästinenser symbolisieren, während Israel seinen 60. Gründungstag feiert.

Jüdische Repräsentanten hatten den Staat Israel am 14. Mai 1948 ausgerufen, einen Tag vor dem offiziellen Ende des britischen Mandats.

Die Armeen fünf arabischer Staaten griffen noch in der Nacht an. Der Krieg endete 1949, und Israel hatte danach 50 Prozent mehr Land unter seiner Kontrolle, als ihm die Vereinten Nationen in einem Teilungsplan zugesprochen hatten. Die arabischen Staaten hatten diesen Plan 1947 abgelehnt.

Israelische Sicherheitskräfte waren aus Furcht vor Ausschreitungen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Die radikal-islamische Hamas hatte die Bürger aufgefordert, in Richtung der blockierten Grenzübergänge mit Israel zu marschieren.

Am Nachmittag demonstrierten tausende von Palästinensern in der Nähe des Eres- Kontrollpunkts zwischen Israel und dem Gazastreifen.

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