Palästinenser
Israelische Polizei stürmt den Tempelberg

Auf dem Jerusalemer Tempelberg ist es zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Israelische Bereitschaftspolizisten stürmten unter Einsatz von Blendgranaten das Gelände, das Muslimen und Juden gleichermaßen heilig ist. Hunderte protestierende Palästinenser warfen mit Steinen und anderen Gegenständen auf die Beamten.
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HB JERUSALEM. Nach Zusammenstößen zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei auf dem Tempelberg sind am Sonntag mindestens 18 Demonstranten festgenommen worden. 25 Palästinenser und neun Polizisten erlitten leichte bis mittelschwere Verletzungen.

Es waren die schwersten Zusammenstöße der jüngsten Zeit. Konflikte am Tempelberg sind in der Vergangenheit schon öfter blutig eskaliert. Über den Auslöser der Auseinandersetzungen vom Sonntag gab es widersprüchliche Angaben. In den vergangenen Wochen sorgten jedoch immer wieder Gerüchte für Spannungen, Israel wolle Juden das Beten auf dem Tempelberg erlauben und archäologische Ausgrabungen unter dem Gelände durchführen, was den darüber liegenden Moscheen schaden könnte. Muslimische Geistliche haben deshalb dazu aufgerufen, die "jüdische Eroberung" des Tempelbergs zurückzuschlagen.

Israel hat diese Absicht stets zurückgewiesen. Polizeichef David Cohen erklärte, für die Unruhen sei nur eine kleine Gruppe extremistischer Palästinenser verantwortlich. "Die Polizei wird mit harter Hand gegen jeden vorgehen, der die Ordnung auf dem Tempelberg stört und zu Unruhen anstiftet", sagte Cohen.

Polizeisprecher Schmuel Ben Ruby betonte, die den Muslimen heilige Al-Aksa-Moschee hätten die Polizisten ganz bewusst nicht betreten. Dort hatten etliche Palästinenser Zuflucht vor der vorrückenden Bereitschaftspolizei gesucht. Sie öffneten dann gelegentlich die Türen und warfen unter anderem einen Feuerlöscher auf die Beamten. Schließlich zogen die Palästinenser friedlich ab.

In der arabischen Welt wurde das Vorgehen der israelischen Polizei scharf verurteilt. "Povokative Akte" an der Al-Aksa-Moschee würden schwere Konsequenzen nach sich ziehen, warnte die Organisation der Islamischen Konferenz. Die Arabische Liga appellierte an die Vereinten Nationen, "die israelische Aggression zu stoppen".

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