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18.01.2008 
Israel schließt Grenzen

Palästinenser stellen Friedensprozess infrage

Israel hat nach Angaben die Grenze zum Gazastreifen abgeriegelt. Das Land reagiere nach Angaben der UN-Hilfsorganisation für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) damit auf anhaltende Raketenangriffe aus dem Küstenstreifen. Die jüngste Eskalation der Gewalt im Gazastreifen stellt den gerade begonnenen Friedensprozess im Nahen Osten wieder infrage.

HB GAZA. Selbst Hilfslieferungen könnten die Grenze nicht mehr passieren. „Gaza ist total abgeriegelt. Das wird die Lage nur verschärfen“, sagte UNRWA-Sprecher Christopher Gunness. In den vergangenen Tagen kam es verstärkt zu Gewalt im Gazastreifen. Bei einem israelischen Raketenangriff wurde nach Angaben palästinensischer Ärzte am Freitag mindestens ein Kämpfer getötet. Zwei andere seien verletzt worden. Allein am Donnerstag wurden bei israelischen Luftangriffen in dem Küstengebiet mindestens sieben Palästinenser getötet. Extremisten hatten in den Tagen zuvor fast 100 Raketen auf Israel abgefeuert.

Ein Sprecher des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas, Nabil Abu Rdeineh, sagte am Donnerstagabend der Nachrichtenagentur AP: „Niemand kann mit den Verhandlungen fortfahren, wenn die jetzige Situation andauert.“ Israel kündigte jedoch neue Offensiven an und verfügte am Freitag die Schließung sämtlicher Grenzübergänge zum Gazastreifen.

Seit Beginn der Eskalation am vergangenen Dienstag wurden mindestens 30 Palästinenser getötet. Palästinensische Extremisten feuerten im selben Zeitraum mehr als 150 Raketen auf Israel ab, rund 40 allein am Donnerstag. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert warnte daraufhin, dass seine Regierung „ohne Kompromisse, ohne Zugeständnisse und ohne Gnade“ auf den anhaltenden Beschuss reagieren werde.

Olmert besuchte am Donnerstag die Stadt Sderot, die gewöhnlich das Hauptziel von Kassam-Raketen aus dem Gazastreifen ist. Am Freitagmorgen gingen auch Geschosse auf die Stadt Aschkelon nieder. Verletzt wurde niemand. Die israelische Luftwaffe griff ihrerseits wieder Ziele im Gazastreifen an. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben zwei weitere Menschen getötet.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Militäraktionen sollen weiter verschärft werden

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte, die Militäraktionen würden weiter verschärft, sollte dies erforderlich sein. Die von ihm angeordnete Grenzschließung bedeutete, dass selbst Lebensmittel und andere Versorgungsgüter nicht mehr in den Gazastreifen gelangen konnten. Das Ministerium werde in Kürze eine Entscheidung treffen, welche Waren aus humanitären Gründen noch durchgelassen würden, teilten Beamte am Freitagmorgen mit.

Israel hat den Gazastreifen seit der Machtübernahme der radikalislamischen Hamas im vergangenen Juni ohnehin schon weitgehend abgeriegelt. Lediglich zwei Grenzübergänge waren die meiste Zeit noch für den Warenverkehr offen. Auch im Westjordanland, wo die Fatah von Präsident Abbas regiert, kommt es immer wieder zu israelischen Militäraktionen gegen mutmaßliche Extremisten, wenn auch bei weitem nicht im selben Ausmaß. Am Freitagmorgen wurde ein Kommandeur der Fatah-nahen Al-Aksa-Märtyrerbrigaden in Nablus von israelischen Soldaten erschossen, wie palästinensische Sanitäter mitteilten.

In New York rief UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zu einem Ende der Gewalt auf. Besorgt äußerte er sich über die zivilen Opfer auf beiden Seiten der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen.

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