Palästinenser-Streit
Jetzt auch Kämpfe im Westjordanland

Im Gazastreifen hat sich die Lage beruhigt. Die Auseinandersetzung unter den Palästinensern geht indes weiter. Präsident Mahmud Abbas will eine Notstandsregierung vereidigen. Unterdessen hat sich auch die Arabische Liga eingeschaltet. Die USA will die Sanktionen im Westjordanland aufheben.

HB GAZA/RAMALLAH/KAIRO. Hunderte Fatah-Kämpfer stürmten von der Hamas kontrollierte Einrichtungen, darunter das Parlamentsgebäude und das Regierungsbüro in Ramallah. Ein Sprecher kündigte die Übernahme aller Hamas-Einrichtungen als Reaktion auf die Eroberung des Gazastreifens durch die radikalislamische Organisation an.

Im Parlament versuchten die Angreifer, einen stellvertretenden Präsidenten der Volksvertretung – den Unabhängigen Hassan Kreische – in ihre Gewalt zu bringen. Angestellte der Fatah hinderten sie aber daran. Auf dem Dach des Gebäudes hissten Fatah-Kämpfer die Fahne ihrer Organisation und feuerten in die Luft. Andere drangen in das Bildungsministerium und das Büro des Ministerpräsidenten vor.

In Nablus stürmten Fatah-Kämpfer die Stadtverwaltung. Sieben Hamas-Aktivisten wurden entführt. Auch in Hebron kam es zu Angriffen: Fatah-Aktivisten übernahmen nach eigenen Angaben die Kontrolle in Büros des Innen- und des Bildungsministeriums. Sie warnten Angestellte, die loyal zur Hamas stehen, vor einer Rückkehr an den Arbeitsplatz.

Während im Gazastreifen die Hamas inzwischen die alleinige Kontrolle hat, wird das Westjordanland weiter von der Fatah von Präsident Mahmud Abbas regiert. Rund 50 führende Fatah-Vertreter, die vor der Hamas aus dem Gazastreifen geflohen waren, trafen im Westjordanland ein. In Gaza plünderten Anhänger der Hamas das Haus des früheren palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat. Sie ließen Möbelstücke, Wandkacheln und persönliche Gegenstände des langjährigen Vorsitzenden der Fatah und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) mitgehen, wie Fatah-Funktionäre mitteilten.

Beobachter werteten die Übergriffe als Versuch, nach dem Sieg der Hamas im Gazastreifen auch das höchste Symbol der geschlagenen Fatah zu zerstören. Am Grenzübergang Eres zu Israel plünderten nach Augenzeugenberichten hunderte Palästinenser Stützpunkte der palästinensischen Polizei.

Der designierte neue Ministerpräsident Salam Fajjad rang unterdessen um ein neues Kabinett. Ihm sollten nach Angaben eines Vertrauten von Abbas vor allem Unabhängige angehören. Die Hamas hat die Absetzung des bisherigen Regierungschefs Ismail Hanija nicht akzeptiert. Hamas-Führer Chaled Maschaal erklärte jedoch, Abbas werde weiterhin als der gewählte und legitime Präsident der Palästinenser betrachtet. Die Legitimität einer neuen Regierung unter Fajjad stellte die Organisation hingegen in Frage. Jedes Kabinett, das nicht die Zustimmung des Parlaments habe, werde als verfassungswidrig betrachtet, sagte der Hamas-Politiker Ahmed Bahar. Im Parlament hat die Hamas die Mehrheit, die Volksvertretung ist jedoch seit Monaten gelähmt.

Abbas kam am Samstag mit dem US-Generalkonsul in Jerusalem, Jacob Walles, zusammen. An dem Treffen in Ramallah nahm nach Angaben von Abbas' Büro auch der frühere Sicherheitschef im Gazastreifen, Mohammed Dahlan, teil.

Seite 1:

Jetzt auch Kämpfe im Westjordanland

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%