Palästinensergebiete
Wo selbst Coca-Cola Verluste schreibt

40 Jahre nach dem Sechs-Tage-Krieg liegt die palästinensische Wirtschaft noch immer am Boden. Dabei ist die Arbeitsmoral hoch und die Infrastruktur gut ausgebaut. Terror und Gegengewalt sind schlecht fürs Geschäft und so wandern Unternehmen reihenweise ab – bis auf einige unverbesserliche Optimisten.

RAMALLAH. Chaos, Finanzboykott, israelische Militäraktionen hin oder her: Der palästinensische Manager Imad Hindi bleibt optimistisch. „Dass der Frieden eine absolute Notwendigkeit ist“, sagt er, „werden früher oder später auch die Politiker einsehen.“ Mit einer verblüffenden Nonchalance meistert der 35-jährige Chef der Coca-Cola-Fabrik in der Westbankstadt Ramallah die widrige und raue Wirtschaftsrealität des Besatzungsalltags, obwohl sie sich katastrophal auf seine Erfolgsrechnung auswirkt. „Wir lassen uns nicht klein kriegen“, sagt der studierte Lebensmitteltechniker selbstbewusst.

Und das, obwohl er als wohl weltweit einziger Lizenznehmer des Erfrischungsgetränks aus Atlanta rote Zahlen schreibt. Doch der palästinensische Coke-Manager denkt gar nicht daran, die Produktion aufzugeben. Im Gegenteil: Seine Firma hat erst kürzlich investiert – in eine moderne Abfüllanlage und einen neuen Wagenpark. Er glaube eben, beharrt Hindi, an die wirtschaftliche Zukunft Palästinas. Deshalb kümmere er sich vor allem um die Ausbildung der Belegschaft.

Auch in diesem Punkt ist seine Firma eine Ausnahme: Denn genau 40 Jahre nach dem Sechs-Tage-Krieg, der sich am heutigen Dienstag jährt, und in dem Israel die arabische Kriegsallianz vernichtend schlug, produzieren die meisten palästinensischen Firmen noch immer mit Maschinen, die mehr als zehn Jahre alt sind. Weiterbildung der Mitarbeiter ist für die wenigsten ein Thema. Palästina scheint ein schier unmögliches Pflaster, um Profit zu erwirtschaften.

Terror und Gegengewalt sind eben schlecht fürs Geschäft. Weil sich die palästinensischen Behörden seit Jahren als unfähig erweisen, Attacken auf die israelische Zivilbevölkerung zu verhindern, reagiert Israel mit einer immer systematischeren Abriegelung der palästinensischen Gebiete. Was für die Regierung in Jerusalem unter dem Sammelbegriff „Sicherheit“ eine legitime Antwort auf die Angriffe ist, hat für die palästinensische Wirtschaft verheerende Konsequenzen: eine fast totale Behinderung der Bewegungsfreiheit.

Der Sicherheitswall, der die Palästinensergebiete vom israelischen Kernland trennt, kann nur an Kontrollpunkten passiert werden. Selbst zwischen den palästinensischen Städten wird der Verkehr durch israelische Maßnahmen behindert. An rund 500 Checkpoints überwachen israelische Soldaten das Kommen und Gehen der Bevölkerung. Wartezeiten von zwei Stunden und mehr sind dabei keine Ausnahmen. Durchreisebewilligungen können jederzeit ohne Angabe von Gründen annulliert werden.

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