Palästinenserpräsident verurteilt Anschlag scharf
Tote und Dutzende Verletzte bei Selbstmordanschlag in Israel

Die radikale Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad hat mit dem ersten Selbstmordanschlag in Israel seit mehr als vier Monaten zwei Israelis getötet. Der Attentäter habe sich am Dienstag in der Stadt Netanja, nördlich von Tel Aviv, vor einem Einkaufszentrum in die Luft gesprengt und mehr als 30 Menschen verletzt, berichteten Rettungsdienste.

HB TEL AVIV. Aus dem Büro des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon verlautete einem Fernsehbericht zufolge, Israel werde „mit harter Hand“ reagieren. Die israelische Armee rückte nach Tulkarem ein, der Heimatstadt des Selbstmordattentäters. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte den Anschlag scharf.

„Wir betrachten dies als Terrorismus, als ein Verbrechen gegen das palästinensische Volk“, sagte Abbas in Ramallah. Kein vernünftiger Mensch könne einen solchen Anschlag kurz vor dem israelischen Abzug aus dem Gazastreifen und dem Norden des Westjordanlandes verüben. Abbas ordnete die Festnahme der Hinterleute an und berief ein Treffen der Palästinensergruppen ein. Den Opfern sprach er sein Mitgefühl aus.

Fast zeitgleich mit dem Selbstmordanschlag sprengte ein Palästinenser am Eingang der jüdischen Siedlung Schawei Schomron im Westjordanland ein gestohlenes und mit Gasflaschen beladenes Auto in die Luft. Der Angreifer wurde schwer verletzt. Nach israelischen Angaben war er an den Wagen gekettet und offensichtlich zu dem Anschlag gezwungen worden. Palästinenserkreise in der Stadt Kalkilia erklärten, der Islamischen Dschihad habe den als Spitzel für Israel beschuldigten Palästinenser vor etwa zwei Wochen verschleppt. Der Mann habe mit dem Anschlag „seine Unschuld beweisen sollen“, hieß es.

In Netanja waren Rettungskräfte in großer Zahl im Einsatz. Die Polizei sagte, der Attentäter habe einen Bombengürtel getragen und gezündet. Mehrere Opfer seien lebensgefährlich verletzt. Es habe keine konkrete Warnung vor dem Anschlag gegeben. Zuletzt hatte Ende Februar ein Palästinenser vor einem Nachtclub in Tel Aviv einen Selbstmordanschlag verübt, bei dem insgesamt sechs Menschen starben.

Die israelische Armee hat ihre Vorbereitungen für den Abzug aus dem Gazastreifen fünf Wochen vor dem geplanten Beginn abgeschlossen. In einem Vortrag vor Parlamentsabgeordneten in Jerusalem kündigte Generalstabschef Dan Haluz am Dienstag an, die Armee werde scharf gegen Ungehorsam von Soldaten vorgehen. „Die Befehlsverweigerung ist eine Einbahnstraße ohne Möglichkeit der Rückkehr“, hieß es nach israelischen Medienberichten in einem zuvor veröffentlichten Schreiben von Haluz an die Soldaten. Nach Angaben des Generalstabschefs haben bisher 30 Soldaten Einsätze zur Räumung jüdischer Siedlungen verweigert.

Die israelische Zeitung „Haaretz“ berichtete am Dienstag, mehrere ranghohe Militärs hätten gemeinsam mit einem Wissenschaftler einen „ethischen Codex“ für das Verhalten von Soldaten beim Gaza-Abzug entworfen. Die Soldaten sollen nur dann das Feuer auf Abzugsgegner eröffnen dürfen, wenn ihr eigenes Leben in Gefahr und alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft seien.

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