Palins Comeback-Tour
Die Abrechnung der Ex

Offizielle Ämter hat Sarah Palin nicht mehr, aber die amerikanische Öffentlichkeit giert noch immer nach Details aus dem Leben der republikanischen Politikerin. Jetzt kommt ihre Autobiografie in die Läden: Auf 413 Seiten erzählt sie aus ihrem Leben und rechnet mit Gegnern und Parteifreunden ab.
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WASHINGTON. Sarah Palin ist eine Ex: Eine Ex-Kandidatin für das Amt des amerikanischen Vizepräsidenten, eine Ex-Gouverneurin des US-Bundesstaates Alaska und eine Ex-Bürgermeisterin des Örtchens Wasilla. Seit dem Sommer dieses Jahres hat die Republikanerin kein Amt mehr und was aus der 45-Jährigen noch werden könnte steht in den Sternen. Doch sie hat ein Buch geschrieben, das heute in die Läden kommt. Und Amerika spielt verrückt.

„Going rogue“ hat sie ihre Autobiographie betitelt, was ungefähr so viel heißt wie: Gegen den Strich. Auf 413 Seiten hat sie dort all das aufgeschrieben, was Amerika gefällt. Palin berichtet aus einem Leben, das Millionen Mittelschicht-Amerikanern vertraut ist. Es kreist um ihr Land Amerika, um Tugenden und Karrierebewusstsein. Wie sich die junge Sarah aus kleinen Verhältnissen hochgearbeitet hat, wie sie sich um ihre Familie sorgt, wie da so manches schief geht, wie sie ihren Mann Todd kennenlernt und Gott dafür dankt, wie sie auf einmal ins Rampenlicht Amerikas katapultiert wird – und wie ihr dabei übel mitgespielt wird. Sarah Palin schreibt wie sie spricht und wie sie ist. Schnörkellos, nicht immer ganz schlüssig, oft banal, aber durchaus authentisch.

Das ist ein guter, wenngleich nicht wirklich origineller Stoff für ein Buch. Zum Beststeller macht „Going rogue“ etwas anderes: Der Voyeurismus seiner Leser. Die wollen wissen, wie es wirklich aussah in der John McCain/Sarah Palin-Kampagne des letzten Jahres, wie sehr die Alphatiere um den republikanischen Präsidentschaftskandidaten die Wundertüte Palin an die Leine legten, sie spekulieren auf sprachliche Schnitzer der Ex-Kandidatin und ob sich Sarah Palin mit ihrem Werk nun endgültig für einen Spitzenjob in der republikanischen Partei disqualifiziert hat. Ohne diese Zutaten wäre das Buch nicht der Rede Wert. So aber ist es „Talk of the town“.

Das ist es aber auch deshalb, weil die Lage der Republikaner auch ein Jahr nach der Niederlage von John McCain gegen Barack Obama nicht wirklich rosig aussieht. Wenn die Konservativen gewinnen – so wie jüngst bei den Gouverneurswahlen in Virginia und New Jersey – dann vor allem wegen der Unzufriedenheit mit der Wirtschaft und den lokalen demokratischen Kandidaten. Als Partei besitzen die Republikaner noch immer herzlich wenig Anziehungskraft. Am Horizont ist zudem niemand zu sehen, der als neuer Bannerträger in Frage käme. John McCain ist zu alt, Parteichef Michael Steele zu laut, Tim Pawlenty aus Minnesota zu leise und Mitt Romney aus Massachusetts zu glatt. Sarah Palin dagegen ist jung, schillernd, frech, sexy und konservativ. Palin symbolisiert den eigentlichen Kern der republikanischen Partei, unverdorben von zuviel Washington, von all zu viel Geld und von zu vielen Kompromissen. Auf das, was Palin im Einzelnen sagt, kommt es vielen ihrer Anhänger schon gar nicht mehr an. Sie ist vor allem anderen, was die Menschen in ihr sehen.

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