Panama Papers – Datenleck im Steuerparadies Ermittler durchleuchten Scheinfirmen von Promis

Politiker, Sportler und Prominente sollen ihr Geld in Briefkastenfirmen der Kanzlei Mossack Fonseca versteckt haben. Die Anwälte weisen die Vorwürfe zurück und sehen sich als Opfer. Panamas Regierung will kooperieren.
Update: 04.04.2016 - 07:27 Uhr 34 Kommentare

Das enthüllen die Panama-Papers

Das enthüllen die Panama-Papers

Panama-StadtNach den Enthüllungen eines internationalen Recherchenetzwerks über in Panama gegründete Briefkastenfirmen hat die Staatsanwaltschaft des mittelamerikanischen Landes Ermittlungen zu den Vorwürfen eingeleitet. „Nachdem Informationen zu den sogenannten 'Panama Papers' publik geworden sind, gibt die Staatsanwaltschaft den Beginn entsprechender Ermittlungen bekannt“, hieß es in einer Mitteilung der Behörde.

Aus den unter anderem von der „Süddeutschen Zeitung“ ausgewerteten riesigen Dokumenten-Satz – insgesamt 11,5 Millionen Dateien – soll hervorgehen, dass zahlreiche Politiker, Sportler und Prominente ihr Geld in Offshorefirmen geparkt haben. Das Leck umfasst E-Mails, Urkunden, Kontoauszüge, Passkopien und weitere Dokumente zu rund 214.000 Gesellschaften. Die Unternehmen sollen zum Teil von der Kanzlei Mossack Fonseca gegründet worden sein. Der Enthüller des NSA-Skandals, Edward Snowden, sprach auf Twitter vom „größten Leck in der Geschichte des Daten-Journalismus“.

Kanzlei-Teilhaber Ramón Fonseca Mora wehrte sich gegen die Vorwürfe. Sein Unternehmen helfe nicht bei Geldwäsche oder Steuerhinterziehung, sagte er im Fernsehsender TVN. Mossack Fonseca gründe lediglich Firmen und verkaufe sie dann an Banken, Vermögensverwalter oder Anwälte. Eine Geschäftsbeziehung zu den Endkunden bestehe nicht.

Seine Kanzlei sei seit 40 Jahren im Geschäft und habe bislang fast 240 000 Firmen gegründet. „Wir kümmern uns um den juristischen Teil und verkaufen sie dann an Zwischenhändler“, erklärte er. „Alle, die jetzt in den Veröffentlichungen auftauchen, sind keine Kunden von uns, sondern der Zwischenhändler.“

Fonseca räumte ein, dass die von mehreren Medien am Sonntagabend veröffentlichten Dokumente zum Teil aus seiner Kanzlei stammen. „Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen“, sagte der frühere Berater von Panamas Präsident Juan Carlos Varela. Er führt die Kanzlei gemeinsam mit dem deutschstämmigen Rechtsanwalt Jürgen Mossack.

Panamas Staatschef Juan Carlos Varela sagte die volle Kooperation seines Landes bei der Aufklärung des Falls zu. „Die panamaische Regierung verfolgt eine Null-Toleranz-Politik in allen Bereichen des Rechts- und Finanzwesens, wo nicht mit einem höchsten Maß an Transparenz gearbeitet wird“, hieß es in einer Erklärung des Präsidialamts.

Für die Regierung sind die „Panama Papers“ ein harter Rückschlag in ihren Bemühungen, das mittelamerikanische Land als seriösen Finanzplatz zu positionieren. Zuletzt erließ sie eine Reihe neuer Richtlinien für Banken, Versicherungen, Immobilienfirmen sowie Wertpapier- und Edelsteinbörsen. Dafür strich der OECD-Arbeitskreis für Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung (Gafi) Panama im Februar von der grauen Liste. Dort werden Staaten geführt, die beim internationalen Austausch von Finanz- und Steuerinformationen hinterherhinken.

„Wenn es zu einem juristischen Prozess kommt, wird die Regierung von Panama umfänglich kooperieren“, hieß es nun in der Stellungnahme. „Die Regierung von Präsident Juan Carlos Varela hat in den 21 Monaten ihrer bisherigen Amtszeit gezeigt, dass sie sich der Transparenz bei Finanzdienstleistungen verpflichtet fühlt.“

Rückschlag für Panama
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Panama Papers – Datenleck im Steuerparadies - Ermittler durchleuchten Scheinfirmen von Promis

34 Kommentare zu "Panama Papers – Datenleck im Steuerparadies: Ermittler durchleuchten Scheinfirmen von Promis"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • .Wenn die Steuervermeidungsabteilung und die Subventionserschleichungsabteilung größer sind, als Entwicklungs-und Marketingabteilung , dann liegt das an zu viel Staat , ist aber erst im 7-stelligen „Einspaarbereich “ lohnend. Alles darunter ist Kleinvieh , macht aber den meisten Mist (Steuer) !

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Da schaffen die Firmengründer und Aktionäre aus edlen Motiven Arbeitsplätze
    und müssen dann diese Hetze in der Zeitung lesen.

  • Helmut Weinberg,
    --------------------------
    Angeblich hat die Firma Arvato bei Bertelsmann AG hunderte ex-Stasi-Leute eingestellt, die massenweise Kommentare der Bürger in Deutschland löschen sollen. Das ist DDR-Merkels Meinungs-Freiheit. PFUI !!!
    n-tv = Bertelsmann RTL Group
    N24 = Springer-Verlag.
    Desinformation, Propaganda und Verdummumng oder Hitler-Filme den ganzen Tag. Oder Dino-Saurier. Mehr gab es auf deutschem Boden bisher nicht.

    -------------------
    Das haben Sie jetzt zum fünften mal eingestellt. Dadurch wird der Kommentar auch nicht besser. Meinen Sie nicht, es reicht.

  • Vinci Queri,
    ----------------
    Da schau her, das LÜGENBLÄTTCHEN HBO hat seinen Lesern wieder mal ein zensiertes Kommentierungsspaltchen geöffnet....wie gütig...:-)
    ----------------
    wenn HBO ein LÜGENBLÄTTCHEN ist, warum lesen Sie dann noch Berichte und komentieren diese in der vorgenannten Form. Machen Sie sich doch einfach etwas, was Ihnen mehr Spass macht.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Bermuda

  • Zitat:
    "„Der Kampf gegen Steueroasen muss deutlich konsequenter geführt werden, gesetzliche Schlupflöcher müssen geschlossen werden und insgesamt müssen die Anstrengungen zur Bekämpfung von Steuerkriminalität erheblich verstärkt werden“, sagte Stegner dem Handelsblatt."

    Herr Stegner, seien Sie konsequent und setzen Sie sich für das Leaken und das anschliessenede Schliessen der weltweit grössten Steueroase, dem US-Bundesstaat Delaware ein! Oder was spricht hier dagegen? LOL

  • Vielen Dank an die Presse für die wertvollen Anregungen.
    Dante_Alighieri: Mensch der du Steuern zahlst, lasst alle Hoffnung fahren.
    Von daher hat man wohl wieder ein paar Freiheitskämpfer erwischt.

  • Da würde mich doch einmal interessieren, welchen Beitrag Sie als "hochqualifizierter Investmentbanker und Leistungsträger" überhaupt zum Gemeinwohl leisten, außer dass sich irgendwelche Geldsäcke die Taschen noch voller stopfen. Ich halte gerade diesen Beruf für einen der überbezahltesten und überflüssigsten überhaupt. Steuerhinterzieher sind Schmarotzer und moralischer Abschaum, denn es reicht Ihnen nicht, dass sie sowieso schon viel mehr haben als die große Mehrheit, nein sie weigern sich auch noch ihren Teil zum Gemeinwesen beizutragen und wollen trotzdem alle Bequemlichkeiten nutzen - vom Straßennetz bis zur inneren Sicherheit. Und wenn man sich nun ansieht, wie viel Zeit und Ressourcen darauf verschwendet werden, Steuern zu hinterziehen, muss man sich wirklich fragen, ob es dafür keine sinnvollere Verwendung gibt.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%