„Panama Papers“ Whistleblower „John Doe“ veröffentlicht Manifest

Die Veröffentlichung der „Panama Papers“ führte zu Ermittlungen auf der ganzen Welt. Nun hat sich erstmals der verantwortliche Whistleblower zu Wort gemeldet. In einem Manifest begründet er seine Beweggründe.
Update: 06.05.2016 - 19:16 Uhr
Die Veröffentlichung der „Panama Papers“ hat  eine internationale Debatte über Steueroasen und Geldwäsche angestoßen. Quelle: dpa
Dunkle Wolken

Die Veröffentlichung der „Panama Papers“ hat eine internationale Debatte über Steueroasen und Geldwäsche angestoßen.

(Foto: dpa)

München/Panama-StadtEinen Monat nach der Veröffentlichung der „Panama Papers“ hat sich erstmals der verantwortliche Whistleblower zu Wort gemeldet. Die anonyme Quelle, die sich „John Doe“ nennt, hatte der „Süddeutschen Zeitung“ Informationen über rund 200 000 von der panamischen Kanzlei Mossack Fonseca gegründete Briefkastenfirmen zugespielt. In einem am Freitag veröffentlichten Manifest begründet der Whistleblower sein Vorgehen.

Auch wenn Briefkastenfirmen nicht immer illegal seien, dienten sie häufig dazu, Verbrechen zu begehen, schrieb „John Doe“ in der „Süddeutschen Zeitung“. „Ich habe mich dazu entschlossen, Mossack Fonseca dem Urteil der Weltöffentlichkeit auszusetzen, weil ich der Meinung bin, dass die Kanzleigründer, Angestellten und Kunden für ihre Rolle bei diesen Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden sollten.“

Die Veröffentlichung der „Panama Papers“ führte zu Ermittlungen auf der ganzen Welt und einer internationalen Debatte über Steueroasen und Geldwäsche. Mossack Fonseca betonte immer wieder, sich an die Gesetze zu halten. In den Briefkastenfirmen der Kanzlei sollen Politiker, Prominente und Sportler ihr Vermögen geparkt haben. Panama geriet wegen seiner liberalen Finanzgesetze erneut in die Kritik. Islands Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson trat wegen der Enthüllungen über Briefkastenfirmen zurück.

Das sind Deutschlands führende Briefkastenfirmen
Gebrüder Albert
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Das Unternehmen ist unter dem Namen Albert Leuchten bekannt. In Fröndenberg an der Grenze von Ruhrgebiet und Sauerland werden aber auch Briefkästen hergestellt. Gegründet wurde das Unternehmen bereits im Jahr 1864.

Allebacker Schulte
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Firmenchef Manfred Schulte gründete das Unternehmen 1998 im sächsischen Großröhrsdorf bei Dresden. Heute fertigen dort 30 Mitarbeiter verschiedene Briefkastensysteme und Zubehör.

Briefkasten Manufaktur
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Hier gibt es Einzelstücke für den Hauseingang. Das Unternehmen wurde 2003 gegründet und stellt zum einen am Firmensitz in Bad Salzuflen selbst Briefkästen her. Zum anderen fertigen andere deutsche Hersteller für die Manufaktur.

Burg Wächter
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Der Familienbetrieb aus dem westfälischen Wetter stellt seit 1920 vor allem Vorhängeschlösser her. Mittlerweile gehören aber auch Tür- und Fenstertechnik, Geldkassetten und Tresore zur Produktpalette. Bei den Briefkästen bietet das Unternehmen unter anderem das Modell „Piano“ in Klavierlack-Optik an.

CMD
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Hinter dem Kürzel verbindet sich die Firma Creativ Metalldesign, die im Jahr 2000 gegründet wurde und in Ilsfeld bei Stuttgart produziert. Bekannt ist das Unternehmen vor allem für seine Außenleuchten aus Edelstahl. Auch die Briefkästen von CMD sind aus diesem Material.

Heibi
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Heinrich Birmann gründete 1934 seine eigene Schlosserei in Schopfloch in Mittelfranken. Das Familienunternehmen fertigt heute mit etwa 160 Mitarbeitern Produkte aus Edelstahl und Aluminium. Neben Briefkästen gehören dazu unter anderem Leuchten, Grills, oder Gartenaccessoires.

JU-Metallwarenfabrik
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Die Firma wurde 1945 als Werkzeugfertiger von Werner Junginger in Stammheim bei Stuttgart gegründet. Nur ein Jahr später zog das Unternehmen nach Gerabronn bei Schwäbisch Hall und spezialisierte sich auf Briefkästen. Mittlerweile produziert JU auch in Nachterstedt in Sachsen-Anhalt.

In seinem Manifest wettert „John Doe“ gegen Justiz, Politik und Medien. Alle hätten im Kampf gegen Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Korruption versagt. „Die Auswirkungen dieses vielfachen Versagens führen zum ethischen Niedergang unserer Gesellschaft und letztlich zu einem neuen System, das wir noch Kapitalismus nennen, das aber in Wahrheit ökonomisches Sklaventum ist“, schreibt der Whistleblower. „Das weltweite Schadensausmaß sollte uns alle wach rütteln“.

Um wen es sich bei der Quelle handelt, blieb weiter unklar. Er arbeitete weder für eine Regierung noch einen Geheimdienst, schrieb „John Doe“. Er sei jedoch bereit, im Rahmen seiner Möglichkeiten mit den Behörden zu kooperieren. Bei der „Süddeutschen Zeitung“ heißt es, die Redakteure hätten den Whistleblower nie persönlich getroffen und mit ihm über einen verschlüsselten Chat kommuniziert.

Auch wie „John Doe“ an die 2,6 Terabyte vertrauliche Daten der Kanzlei gelangen konnte, ist weiter offen. Mossack Fonseca vermutet einen Hackerangriff auf seine Server und hat Strafantrag wegen Datendiebstahls gestellt. IT-Experten bezweifeln allerdings, dass eine so große Datenmenge von außen gestohlen werden konnte.

  • dpa
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