Panamakanal vor ungewisser Zukunft
Kanal ist zu eng für die Hoffnungen Panamas

Die Pläne, den Panamakanals zu erweitern, gibt es seit 40 Jahren. Bislang der kürzeste Seeweg zwischen Atlantik und Pazifik, droht die nach dem Suezkanal wichtigste Seeverbindung bedeutungslos zu werden, wenn sich Panama nicht zum Ausbau durchringt. Die Maximalkapazität ist erreicht.

Panamas Präsident Martin Torrijos hat daher die Bevölkerung Panamas aufgefordert, in einem Volksentscheid für die Erweiterung des Kanals zu stimmen. Panama stehe an einem historischen Scheideweg, sagte Torrijos in einer Ansprache an die Nation. Die Erweiterung werde aus den Kanaleinnahmen finanziert und sei die richtige Antwort auf die Herausforderung des Welthandels, sagte Torrijos. Den Ausbau abzulehnen würde bedeuten, den Traum zu vergessen, Panama zu einem Land der ersten Welt zu machen.

Denn der Kanal ist eine der wichtigsten Einnahmequellen für das hochverschuldete mittelamerikanische Land. Durch den Kanal transportieren jedes Jahr rund 14.000 Schiffe fünf Prozent der weltweit gehandelten Waren. In den USA setzen Branchenriesen wie die Handelsketten Wal-Mart und Target immer stärker auf den Seeweg statt auf Überlandtransporte. Zudem schlagen sich die steigenden Handelsvolumen von Brasilien und China in immer höheren Tonnagen nieder. Sie alle verwenden aus Kostengründen die größmöglichen Containerschiffe, die für die Schleusen des fast hundert Jahre alten Panamalkanals zu groß geworden sind. Der Umweg über das Kap Horn dauert aber Wochen, während der Kanal in einem Tag zu passieren ist.

In Panama haben sich Teile der Bevölkerung gegen das Ausbauprojekt formiert. Umweltschutzgruppen lehnen den Plan ab, weil sie um die Wasserreserven des Landes fürchten. Der Ausbau der Schleusen erfordert eine Erhöhung der Wassermenge, die man aus dem Río Chagres abziehen und in grossen Reservoirs speichern müsste. Ausländischen Investoren wird mit Misstrauen begegnet, ihre mögliche Einflussnahme auf den Seeweg will man unterbinden. Die USA hatten den Panamakanal Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut und bis 1999 kontrolliert, bevor sie die Autorität darüber an Panama zurückgaben. Angesichts der Opposition gegen das Projekt war 2005 bereits eine Volksabstimmung verschoben worden. Die panamanische Verfassung sieht vor, dass nur das Volk über die Frage entscheiden kann.

Um die Bevölkerung vom Vorhaben zu überzeugen, müsste Präsident Torrijos darlegen, wie die gesamte Bevölkerung vom Projekt profitieren könnte. Naxch offiziellen Zahlen würde der Ausbau 5,25 Milliarden Dollar kosten und bis 2014 dauern. Das Interesse der Bevölkerung ist verständlich in Anbetracht der volkwirtschaftliche Lagen in Panama: 37 Prozent der drei Millionen Panamaer leben dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zufolge unterhalb der Armutsgrenze. Bei einer Verbreiterung des Kanals würden viele Bauern ihr Land verlieren. In den letzten Jahrzehnten wurden daher nur einige der zwölf Schleusen erweitert und der Tiefgang vergrößert. Mit halbherzigen Mitteln ist es aber nicht mehr getan.

Immer schon wurde auch in Betracht gezogen, an anderer Stelle in Mittelamerika einen neuen Durchbruch zu wagen. Orte in Mexiko, Nicaragua und Kolumbien bieten sich dazu an, die Durchführung würde aber auf ähnliche Hindernisse treffen wie in Panama. Zudem würde bei einem völligen Neubau die Frage aufkommen, wer ihn kontrolliert. In Panama ist eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung bereits gefunden worden: Die Kanalbehörde arbeitet nämlich autonom vom Staat.

Die Unsicherheit über die Zukunft des Kanals hat aber nicht zuletzt auch mit den finanziellen Risiken zu tun, die ein Ausbau mit sich bringen würde. Neben den offiziellen Zahlen existieren andere Rechnungen, welche das Finanzierungsmodell aus zukünftigen Gewinnen anzweifeln, das Präsident Torrijos vertritt. Hunderte von Studien aus aller Welt über Chancen und Folgen des Projektes vertreten zudem teils widersprüchliche Ansichten. Obwohl also der Ausbau unumgänglich ist, weiß momentan niemand, ob er wirklich realisiert wird.

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