Panzer gegen Demonstranten
Deutsche sollen Syrien verlassen

Nach der Gewalt des syrischen Präsidenten Assad gegen Demonstranten drohen Großbritannien und die USA mit Sanktionen. Auch Deutsche sollen Syrien sofort verlassen.
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Washington/LondonDas Auswärtige Amt rät allen Deutschen in Syrien, das Land zu verlassen. Sie sollten versuchen, mit regulären Flügen auszureisen, so lange dies noch möglich ist, schreibt das Ministerium in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen für das Land im Nahen Osten. Von Reisen nach Syrien wird bereits seit längerem dringend abgeraten. In den vergangenen Wochen wurden bei Demonstrationen und Auseinandersetzungen in Syrien hunderte Menschen getötet.

Angesichts der gewaltsamen Auseinandersetzungen in Syrien haben viele Deutsche das Land bereits verlassen. Nach den Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes sind derzeit nur noch etwa 100
Deutsche in Syrien, wie eine Sprecherin des Ministeriums am Dienstag auf dapd-Anfrage sagte. Vor dem Osterwochenende seien es noch rund 2.000 gewesen. Die Reiseveranstalter hätten in den vergangenen Tagen viele Menschen ausgeflogen, sagte die Sprecherin. Die Zahlen sind allerdings nur Schätzwerte.

Großbritannien will angesichts der Niederschlagung der Proteste in Syrien internationale Maßnahmen gegen die Regierung von Staatschef Baschar al-Assad anschieben. „Das Vereinigte Königreich bemüht sich gemeinsam mit unseren internationalen Partnern, die syrische Regierung zu einem Stopp des gewaltsamen Vorgehens zu bewegen“, sagte Außenminister William Hague am Dienstag in London. 

Großbritannien bemühe sich um ein klares Signal des UN-Sicherheitsrats an Syrien. Mit den Partnern in der Europäischen Union und denen in Arabien strebe man zudem weitere Maßnahmen an. Syrien müsse die Menschenrechte sowie die Meinungs- und Versammlungsfreiheit einhalten.

Die USA hatten bereits am Montag die jüngsten blutigen Militäreinsätze in Syrien mit Hunderten Toten scharf verurteilt und dem Regime in Damaskus mit „gezielten Sanktionen“ gedroht. Die US-Führung prüfe eine Reihe von Optionen als Reaktion auf die nicht zu akzeptierende Gewalt gegen Demonstranten, sagte ein Regierungssprecher im Weißen Haus. Eine der Optionen seien Sanktionen.

Das amerikanische Außenministerium hatte zuletzt US-Bürger in Syrien zum Verlassen des Landes aufgefordert. Auch Mitarbeiter der US-Botschaft, die nicht unbedingt vor Ort erforderlich seien, und Familienangehörige des Botschaftspersonals seien angewiesen worden, abzureisen, berichteten US-Medien in der Nacht zum Dienstag. Die Botschaft in Damaskus werde geöffnet bleiben, aber die Dienstleistungen würden eingeschränkt.

Das Außenministerium forderte alle US-Bürger dringend auf, nicht in den von Unruhen erschütterten Nahoststaat zu fahren. Diejenigen, die sich in Syrien befänden, sollten abreisen, solange es noch Verkehrsverbindungen gebe. Alle nicht zwingend notwendigen Reisen sollten unterbleiben.

Bei der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste setzt die Regierung nach Angaben von Bürgerrechtlern auch auf Massenfestnahmen. Sicherheitskräfte hätten im ganzen Land rund 500 Anhänger der Demokratiebewegung festgenommen, teilte die unabhängige syrische Organisation Sawasiah am Dienstag mit.

Seit die Truppen von Staatschef Baschar al-Assad am Montag mit Panzern in die Hochburg der Aufständischen Deraa eingerückt sind, wurden dort laut Augenzeugen mindestens 20 Menschen getötet. Amnesty International zufolge starben in Deraa mindestens 23 Menschen. Die Menschenrechtsorganisation sprach von einer „brutalen Reaktion auf die Forderungen des Volkes“.

Das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad weitet seit Montag mit einem großen Militäreinsatz das Vorgehen gegen Regimegegner im Süden des Landes aus. Nach Angaben aus der Protestbewegung wurden erneut mindestens 39 Menschen getötet, als mehrere tausend Soldaten mit Panzern in die Stadt Daraa einrückten.

Zudem seien Strom und Telefonleitungen gekappt worden, berichtete die Bewegung auf Internetseiten. Daraa ist eines der Zentren des Aufstandes. Die syrische Staatsmacht versucht seit Wochen mit Gewalt und Festnahmen die Massenproteste zu beenden.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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