Papst-Audienz für EU-Regierungschefs Franziskus beschwört den Geist der europäischen Solidarität

Bei einer Audienz für die Staats- und Regierungschefs der EU im Vatikan hat Papst Franziskus die Europäische Union zu Solidarität und Zusammenhalt aufgerufen. Populistische Strömungen seien „Blüten des Egoismus“.
Update: 24.03.2017 - 20:39 Uhr Kommentieren
Bei der Audienz waren neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den 26 anderen „Chefs“ auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und weitere EU-Spitzen dabei. Quelle: AP
Papst Franziskus und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker

Bei der Audienz waren neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den 26 anderen „Chefs“ auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und weitere EU-Spitzen dabei.

(Foto: AP)

RomZum 60. Jahrestag der Römischen Verträge hat Papst Franziskus die Europäische Union eindringlich zu Solidarität und Zusammenhalt aufgerufen. Bei einer Audienz für die Staats- und Regierungschefs der EU im Vatikan sagte der Papst am Freitagabend, Solidarität sei das wirksamste Heilmittel gegen die modernen Formen des Populismus. Am Samstag feiern die 27 EU-Mitglieder - ohne das abtrünnige Großbritannien - in der italienischen Hauptstadt die Unterzeichnung der Verträge von 1957, die zur Grundlage für die Europäische Union wurden.

Bei der Papst-Audienz waren neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den 26 anderen „Chefs“ auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und weitere EU-Spitzen dabei. „Sechzig Jahre später nach Rom zurückzukehren darf nicht bloß eine Reise in die Erinnerungen sein“, mahnte Franziskus. Die Gründungsideale der Europäischen Union dürften nicht auf wirtschaftliche und finanzielle Erfordernisse reduziert werden. „Solidarität ist nicht ein guter Vorsatz. Sie ist gekennzeichnet durch konkrete Taten“, mahnte der Papst.

Rom rollt den roten Teppich für Europa aus
Sala degli Oriazi e Curiazi
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Am Samstag kehrt die Europäische Union in Rom zu ihren Anfängen zurück. Die Staats- und Regierungschefs erinnern in der italienischen Hauptstadt an die Unterzeichnung der Römischen Verträge vor 60 Jahren. Das Foto zeigt Techniker bei Vorbereitungen im „Kreißsaal der EU“: Der Sala degli Oriazi e Curiazi.

Der „Kreißsaal der EU“
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Hier hoben am 25. März 1957 sechs Staaten ein Bündnis aus der Taufe, dem heute 28 Staaten angehören.

Alarmstufe rot
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Demonstrationen, Terrorangst, EU-Gipfel: Die Sicherheitskräfte in Rom sind vor dem Treffen der 27 EU-Staats- und Regierungschefs zum 60. Jubiläum der Römischen Verträge in höchster Alarmbereitschaft.

Sicherheitskräfte vor dem Grabmal des unbekannten Soldaten
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Zu vier Demonstrationszügen und mehreren Kundgebungen von EU-Gegnern und -Befürwortern werden am Samstag bis zu 30 000 Menschen erwartet. Es sei nicht ausgeschlossen, dass sich gewaltbereite Mitglieder des sogenannten Schwarzen Blocks aus dem In- und Ausland darunter mischten, hieß es am Freitag bei der Polizei in Rom. Nach dem Anschlag von London wurde das Konzept noch einmal überarbeitet.

Sperrzone für Autos
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Das Zentrum von Rom um den Veranstaltungsort am Kapitolshügel wurde zur Sicherheitszone erklärt. Autos und Fußgänger dürfen am Samstag nicht in die Sperrzone. Laut italienischen Medien sollen 5000 Sicherheitskräfte im Einsatz sein.

Patrouille auf dem Tiber
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Auch auf dem Tiber fuhr die Polizei bereits am Freitag Patrouille. ZInnenminister Marco Minniti kündigte eine harte Linie gegen Gewalttäter an.

Rom putzt sich heraus
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Viele Gipfelteilnehmer dürften mit der stillen Hoffnung nach Rom reisen, dass ein Besuch an der Wiege der Gemeinschaft dem Projekt der europäischen Einheit mehr jugendlichen Schwung verleiht.

Immerhin geht die EU der 27 geschlossen in den Jubiläumsgipfel. Auch Polen stimmte der geplanten Erklärung zur Zukunft der Union zu. Die polnischen Forderungen seien erfüllt worden, sagte Ministerpräsidentin Beata Szydlo vor ihrem Abflug nach Rom.

Auch Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras sagte vorab zu, das Abschlussdokument mitzutragen. Sein Land sei berechtigt, klar und deutlich zu erfahren, ob die sozialen Errungenschaften der EU auch für Griechenland gültig seien, schrieb er an EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker. Das Land und seine Gläubiger ringen um Arbeitsmarktreformen.

Juncker erklärte, natürlich würden europäische Sozialstandards auch für Griechenland gelten. Er rief aber zu einer raschen Einigung der Athener Regierung mit den Gläubigern noch vor dem Treffen der Euro-Finanzminister am 7. April auf.

Merkel betonte die wichtige Rolle der EU bei der Bewältigung von künftigen Herausforderungen: „Einzelne Mitgliedstaaten haben natürlich unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie wir die Zukunft gestalten, aber der Weg insgesamt ist klar: Mehr Zusammenarbeit“ - unter anderem bei der Verteidigungspolitik, beim Schutz der Außengrenzen, bei der Bekämpfung des islamistischen Terrorismus, sagte sie der „Passauer Neuen Presse“ und dem „Donaukurier“ (Freitag).

Die Sicherheitskräfte in Rom sind vor dem Treffen in höchster Alarmbereitschaft. Zu vier Demonstrationszügen und mehreren Kundgebungen von EU-Gegnern und -Befürwortern werden am Samstag bis zu 30 000 Menschen erwartet. Es sei nicht ausgeschlossen, dass sich gewaltbereite Mitglieder des sogenannten Schwarzen Blocks aus dem In- und Ausland darunter mischten, hieß es bei der Polizei in Rom. Nach dem Anschlag von London wurde das Konzept noch einmal überarbeitet.

In Berlin brach unmittelbar vor dem Gipfel ein offener Streit über die deutschen Zahlungen an Brüssel aus. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) reagierte verärgert auf die Forderung seines Kabinettskollegen Sigmar Gabriel, Deutschland solle mehr Geld in die EU-Kasse überweisen. Dieser hatte in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ argumentiert, Deutschland profitiere am Ende von diesen Zahlungen, weil 60 Prozent der deutschen Waren in EU-Länder exportiert würden. Vor allem in Richtung Griechenland sende der SPD-Außenminister damit „eine ganz falsche Botschaft“, sagte Schäuble im Deutschlandfunk.

  • dpa
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