Papst Franziskus auf Lesbos
„Wir sind alle Flüchtlinge“

Lichtblick im Elend: Mit seinem Besuch im Registrierungszentrum auf Lesbos lenkt Papst Franziskus die Augen der Welt auf das Leid der Flüchtlinge in Griechenland. Zwölf von ihnen sollen im Vatikan Zuflucht finden.

Athen/LesbosPapst Franziskus ist zu einem Besuch auf der griechischen Insel Lesbos eingetroffen, wo sich besonders viele Flüchtlinge aufhalten. „Dies ist eine von Traurigkeit gezeichnete Reise, eine traurige Reise“, sagte der Papst auf dem Flug aus Rom. Knapp einen Monat nach Inkrafttreten des umstrittenen Flüchtlingspakts der EU mit der Türkei will Franziskus auf Lesbos für mehr Solidarität gegenüber den Flüchtlingen plädieren.

„Wir erleben die schlimmste humanitäre Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg. Wir werden so viele Menschen sehen, die leiden, die fliehen und nicht wissen wohin“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt während des Fluges. „Und wir gehen auch zu einem Friedhof, dem Meer. So viele Menschen kommen niemals an.“ Auf der Überfahrt vom türkischen Festland auf die griechischen Ägäis-Inseln ertrinken immer wieder Flüchtlinge.

Unmittelbar nach seiner Ankunft auf der Insel hat Franziskus am Samstag das Aufnahmelager von Moria besucht. Er begrüßte Dutzende Minderjährige, die meist auf eigene Faust die gefährliche Überfahrt aus der Türkei zu den griechischen Inseln gewagt hatten, wie das griechische Fernsehen (ERT) berichtete. Im Lager warteten Hunderte Menschen. Dutzende von Migranten versammelten sich in dem Flüchtlingslager und hießen Franziskus willkommen. Auf ihren Plakaten und Spruchbändern stand „Papst, Sie sind unsere Hoffnung“, „Retten Sie bitte das jesidische Volk“ und „Wir sind auch Menschen“. Unter ihnen waren Jesiden, Pakistaner und Kurden.

Danach ging es weiter in ein Zelt, wo der Papst mit Migrantenfamilien sprach. Auch der Patriarch der Orthodoxen Kirche von Konstantinopel, Bartholomaios I., und der orthodoxe Erzbischof Hieronymus II. nahmen an den Treffen teil. In dem Aufnahmelager Moria will der Argentinier etwa 250 Asylbewerber persönlich begrüßen und mit acht von ihnen zu Mittag essen. Hilfsorganisationen nennen die Unterbringung der rund 3000 Flüchtlinge in dem sogenannten Hotspot menschenunwürdig. Zudem wollen die drei Kirchenführer eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen und für die Menschen beten, die auf der Flucht ihr Leben in der Ägäis verloren haben.

Kinder zeigten und schenkten dem Pontifex Zeichnungen aus ihrem Leben. Das katholische Kirchenoberhaupt begrüßte Frauen nur mit einem freundlichen Kopfnicken, die Hand gab er ihnen wohl aus Rücksicht auf kulturelle Gepflogenheiten in der islamischen Welt nicht. Männern gab er dagegen die Hand.

Lange legte er die Hand auf den Kopf eines weinenden jungen Mannes, der immer wieder auf Englisch sagte „Vater gib mir Deinen Segen“. Einige Migranten schilderten dem Papst schlimme Erfahrungen, die sie vor ihrer Flucht gemacht hätten. Andere sagten, sie säßen auf der Insel fest, während ihre Familien in Deutschland seien.

Tsipras erklärte, der Papstbesuch auf Lesbos biete Anlass die Notwendigkeit zu betonen, legale Fluchtwege für Menschen zu öffnen, die vor Kriegen und Konflikten fliehen. Er sei zudem stolz auf das griechische Volk, das Flüchtlinge willkommen heiße trotz der eigenen Not durch Sparmaßnahmen, die ihm von EU und IWF auferlegt worden seien. „Ich bin stolz darauf, insbesondere in einer Zeit, wenn einige unsere Partner - sogar im Namen des christlichen Europas - Mauern und Zäune errichten, um schutzlose Menschen davon abzuhalten, ein besseres Leben zu finden. Deshalb stufe ich Ihren Besuch als historisch und wichtig ein“, erklärte Tsipras bei der Begrüßung des Papstes.

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