Papst Franziskus: Ein Mann mit Vergangenheit

Papst Franziskus
Ein Mann mit Vergangenheit

Die Argentinier sind in Feierlaune, mit Franziskus wurde einer von ihnen Papst. Aber die Vergangenheit der katholischen Kirche in Argentinien ist nicht unbelastet – und wirft auch auf Franziskus einen Schatten.

DüsseldorfDie Stimmen aus Argentinien überschlagen sich: „Ein Südamerikaner ist einfach offener als andere.“ Oder: „Ein Wandel wie dieser – mit einem Lateinamerikaner im Zentrum – ist sehr wichtig für den Kontinent“. Es ist klar: Die Menschen in Südamerika sind begeistert vom neuen Papst Franziskus, von einem aus „ihrer Mitte“. Dabei ist gerade die Geschichte der katholischen Kirche in Argentinien und somit auch die des neuen Papstes umstritten.

„Traditionell ist das Verhältnis zwischen Kirche und Politik in Argentinien sehr eng“, sagt Historiker Stephan Ruderer von der Universität Münster. „Das galt auch während Militärdiktatur 1976 bis 1983.“ Und diese Kritik betrifft auch den neuen Papst.

2005 hatte der Menschenrechtsanwalt Marcelo Perrilli dem damaligen argentinischen Kardinal Bergoglio vorgeworfen, während der Militärdiktatur an der Entführung zweier Jesuiten Mitschuld getragen zu haben. Die beiden Priester wurden vom Geheimdienst gefoltert. Der Grund: Ihr Engagement für die Armen im Land. „Arbeiterpriester waren im Fokus der Diktatur“, bestätigt Historiker Ruderer. „Es war durchaus üblich, dass gerade diese Priester verhaftet und gefoltert wurden oder einfach verschwanden.“

Als Provinzial der Jesuiten hatte Bergoglio die Verantwortung für die verschwundenen Priester, hätte sie schützen können, insbesondere „weil die Kontakte zwischen katholischer Kirche und Diktatur sehr gut waren“, sagt Ruderer, der das Thema intensiv erforscht hat. Doch die Jesuiten wurden verhaftet.

„In einem Prozess 2010 trat Bergoglio als Zeuge auf und beteuerte, die Jesuiten nicht im Stich gelassen zu haben“, erklärt Ruderer. Auch in einem Buch habe der heutige Papst dem Vorwurf widersprochen. Sein Sprecher tat es als „alte Verleumdung“ ab. Doch der Historiker Ruderer kann sich durchaus vorstellen, dass die Vorwürfen stichhaltig sind. Denn die Verhaftung und Folter der Jesuiten sei nicht wegzudiskutieren.

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