Papst Franziskus trifft Patriarch Kirill: Kirchen wollen die Wiedervereinigung

Papst Franziskus trifft Patriarch Kirill
Kirchen wollen die Wiedervereinigung

Zum ersten Mal seit fast 1000 Jahren haben sich die Oberhäupter der Katholiken und der russischen Orthodoxie getroffen: Sie rufen zur Rückkehr zur Einheit auf - und forderten die Staatengemeinschaft auf, die Vertreibung von Christen zu stoppen.

HavannaDie Einheit aller Christen müsse wiederhergestellt werden, erklärten die beiden Kirchenoberhäupter nach ihrem historischen Gespräch am Flughafen der kubanischen Hauptstadt Havanna. "Wir sind von Schmerz erfüllt über den Verlust der Einheit, ein Ergebnis menschlicher Schwäche und Sünde.“ Ihr Treffen sei ein Signal der Hoffnung auf Wiedererlangung der Einheit. „Endlich treffen wir uns. Wir sind Brüder", hatte Franziskus Kyrill zuvor begrüßt. „Es ist klar, dass dieses Treffen von Gott gewollt ist.“

Die Begegnung der Oberhäupter beider Kirchen, die 1,3 Milliarden Christen vertreten, war seit Jahrzehnten vorbereitet worden, das kommunistisch-atheistische Kuba wurde gezielt dafür ausgewählt. Die steigende Gewalt gegen Christen in der Golfregion und in Nordafrika in den vergangenen Jahren verliehen dem Treffen besondere Dringlichkeit. „In vielen Ländern werden ganze Familien, Dörfer und Städte unserer christlichen Brüder und Schwestern ausgelöscht“, hieß es in der gemeinsamen Erklärung. Die Staatengemeinschaft müsse „dringend handeln“, um die weitere Vertreibung von Christen aus dem Mittleren Osten zu stoppen.

Ferner forderten die Kirchenoberhäupter die Völkergemeinschaft zum geschlossenen Vorgehen gegen Terrorismus auf: Sie müsse „jede mögliche Bemühung unternehmen, den Terrorismus durch gemeinsame und koordinierte Aktionen zu beenden.“ Dabei nahm Franziskus insbesondere Russland in die Pflicht. Moskau könne ein wichtiger Partner für den Frieden in der Welt sein.

Grund für die große Kirchenspaltung waren theologische und politische Streitigkeiten, vor allem, dass die Kirche im Osten den Autoritätsanspruch des Papstes nicht anerkannte. Letztlich ausschlaggebend für das Zustandekommen der Begegnung war zum einen die Entschlossenheit von Franziskus und zum anderen die Auffassung der russisch-orthodoxen Kirche, dass die Christen angesichts der Verfolgung im Mittleren Osten zusammenhalten müssen.

Franziskus machte bereits 2014 deutlich, dass er die Beziehungen auf eine neue Stufe heben will, als er verkündete, er würde den Moskauer Patriarchen treffen, „wo immer“ dieser wolle. Seit seiner Wahl zum Papst 2013 hat Franziskus bereits zwei Mal den russischen Präsidenten Wladimir Putin empfangen.

Die Ökumene zählt zu den zentralen Anliegen des Papstes. Zum Reformationstag am 31. Oktober wird Franziskus eine von der katholischen Kirche und dem Lutherischen Weltbund organisierte Gedenkfeier im südschwedischen Lund besuchen. Anlass sei der 500. Jahrestag der Reformation, der im kommenden Jahr gefeiert wird.

Kuba bildet für den Papst einen kurzen Zwischenstopp auf dem Weg nach Mexiko, wo er am Freitagabend (Ortszeit) zu einem mehrtägigen Besuch erwartet wurde. Auf dem Programm dort stehen unter anderem Besuche in Städten, die vom Drogenhandel geprägt sind, darunter Ciudad Juárez an der Grenze zu den USA. Mexiko hat die zweitgrößte katholische Gemeinde der Welt nach Brasilien.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%